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John Butler im Interview zu seinem Album „Home“: “Meine Kinder sind am anderen Ende der Welt und ich frage mich, wo ich überhaupt bin.“

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John Butler ist ein Name, der einem möglicherweise als erstes in den Sinn kommt, wenn man nach Musik aus Australien gefragt wird. Dabei gehen die musikalischen Einflüsse des Künstlers weit über die Grenzen des Outbacks hinaus und seine Musik findet schon lange nicht mehr nur im Heimatland Anklang, sondern ermöglicht dem Künstler auf den Bühnen der ganzen Welt zu spielen. Der in Kalifornien geborene John Butler zog als Kind mit seiner Familie in deren Heimatland Australien zurück und begann als Jugendlicher Musik zu machen. Mitte der 90er Jahre veröffentlichte er seine ersten selbstproduzierten Alben und ein paar Jahre später steht dem Musiker die Welt offen. Besonders seine Alben „Grand National“ und „April Uprising“ machten ihn weltweit bekannt.

Am 28. September erschien mit „Home“ das mittlerweile siebte Studioalbum des australischen Superstars und auf seiner Welttournee hat er für einige Konzerte auch in Deutschland halt gemacht. In Köln musste der Schlagzeuger des Trios Grant Gerathy wegen einer Verletzung ins Krankhaus gebracht werden. Da dieser an den folgenden Konzerten nicht teilnehmen konnte, hat sich John Butler kurzerhand dazu entschieden, Solo-Konzerte zu spielen, um seine Fans nicht zu enttäuschen. Wir haben den Australier getroffen, um mit ihm über sein neues Album „Home“ zu reden und ihn gefragt, was der Titel für ihn bedeutet. Außerdem spricht er mit uns über seine musikalischen Vorlieben und was ihn Soundtechnisch für sein Album inspiriert hat.

John Butler – „Just Call“

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Du bist mittlerweile seit drei Wochen auf Tour. Wie gefällt es dir bisher?

Abgesehen davon, dass mein Drummer sehr krank ist, genieße ich es sehr. Ich habe mich wirklich auf die Konzerte in Deutschland gefreut. Ich hatte hier einige meiner besten Shows. Das Publikum hier ist sehr aufmerksam und gleichzeitig sehr leidenschaftlich. Gestern habe ich das erste Mal allein gespielt, weil es meinem Drummer sehr schlecht geht und ich bin etwas nervös, weil die Leute das John Butler Trio sehen wollen, aber nur mich bekommen. Aber ich weiß, dass sie eine gute Show bekommen werden.

Weißt du, wann er sich wieder der Tour anschließen wird?

Wenn alles gut geht, wird er nach unseren Konzerten in Deutschland wieder spielen, vielleicht auch erst in Rom.

Lass uns über deine Musik reden. „Home“ ist mittlerweile dein siebtes Studioalbum und das letzte erschien vor sieben Jahren. Hat sich im Produktionsprozess für dein neues Album etwas geändert?

Ja, einiges. Vor allem habe ich Garage Band auf dem iPad endlich richtig laufen bekommen, was einen großen Einfluss auf meinen Produktionsprozess genommen hat, weil ich in der Lage war, unterwegs selbst Musik zu produzieren. Meine Band lebt auf der anderen Seite des Landes und nach einer Show gehe ich zuerst in mein Zimmer oder meinen Bus zurück. Da ist nicht viel Platz für mein Equipment, weshalb ich froh bin, am Computer arbeiten zu können. In Garage Band kann ich schon Basslines, Beats und Synth-Parts für meine Songs vorbereiten, was normalerweise viel länger dauern würde. Außerdem muss ich mit der Band Proben organisieren und eine Vorproduktion machen. So geht alles deutlich schneller

John Butler – „Home“

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Die erste Single „Home“ erschien mir Instrumental sehr ungewöhnlich. Kannst du sagen, was dich musikalisch zu dem Song inspiriert hat?

Persönlich höre ich nur sehr wenig Folk-Musik. Ich höre vielmehr synth-lastige Musik, HipHop und Pop. Dafür habe ich mich schon immer viel mehr interessiert. Als Songwriter bin ich Folk-Musiker. Ich spiele Akustikgitarre und nutze sehr alte Techniken wie bluegrass und fingerpicking und bin von keltischer und indischer Musik beeinflusst. Das bin ich als Songwriter.
Als Musikliebhaber höre ich ehrlich gesagt kaum Folk. Ich höre Beyoncé, Rihanna, Anderson .Paak und Kendrick Lamar. Ich liebe die Beastie Boys, Salt-N-Pepa und Missy Elliot. „Under Construction“ ist eines meiner Lieblingsalben.
Ich liebe Dolly Parton und Mississippi John Hurt, aber wenn du Adele’s „Say Hello“ spielst… . Das ist einer meiner Lieblingssongs. Ich kann mir Shawn Mendez anhören, seine Stimme ignorieren und mich auch einfach auf die Produktion der Drums konzentrieren. Ich kann mir Skrillex anhören und höre eine Gitarre über das Instrumental. Deshalb ist das, was ich mache, auch nicht nur Folk sondern eine Mischung aus allem, was ich höre.

„Zuhause“ ist nicht nur der Titel des Albums, sondern spielt thematisch spielt die Frage nach einem Zuhause eine große Rolle auf deinem Album. Was bedeutet es für dich?

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Ganz unterschiedliche Dinge. Manchmal ist es einfach nur mein Zuhause. Mit meinem Bett, meiner Familie, meinem Hof. Der Ort im Westen Australiens, in dem ich aufgewachsen bin. Wo meine Familie ist, ist also auch immer mein Zuhause.
Mein anderes Zuhause ist hier auf Tour. Letze Nacht habe ich zwei Stunden allein vor 2000 Leuten gespielt und so ein Konzert kostet mich alles. Es ist elektrisierend, intensiv und es macht Spaß. Danach komme ich in meinen kleinen Raum im Backstage, schließe die Tür und alles was ich sehe ist dieser Pepsi-Kühlschrank und ein frisches Handtuch im Bad. Dieser Kontrast ist so groß, dass es wirklich hart sein kann. Meine Kinder sind am anderen Ende der Welt und ich frage mich dann, wo ich überhaupt gerade bin. Diese Unterschiede sind das skurrile an diesem Job. Die Höhen bei den Auftritten und danach diese Leere, die wirklich deprimierend sein kann.

John Butler – „Tell me why“

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In „Tell me why“ singst du über einen anderen Menschen als möglichen Ort für ein Zuhause. Glaubst du, dass das möglich ist?

Ich denke, dass Beziehungen harte Arbeit sind. Aber wahrscheinlich ist alles, was es wert ist, erhalten zu werden, harte Arbeit. Ein gutes Leben braucht auch Arbeit. Ich glaube nicht, dass vieles von allein kommt und so ist es auch mit Beziehungen. Mittlerweile bin ich seit 20 Jahren mit einer großartigen Frau verheiratet und auch das braucht Arbeit.
Trotz der Gefahr, dass das ein bisschen sexistisch klingen könnte, denke ich, dass es einen Unterschied zwischen Männern und Frauen gibt, was aber etwas Schönes ist. Männer sind manchmal leichter zufrieden zu stellen. Oft brauchen sie nur einen Ort, an dem sie bleiben können und es muss sich auch nicht mehr viel ändern. Frauen wollen oft mehr und zum Kern kommen. Dem muss sich der Mann häufig anschließen, genau wie ich es immer wieder muss. Das macht mich auch zu einem besseren Menschen. Wäre ich nicht verheiratet, würde ich wahrscheinlich immer noch Bong rauchen [lacht].
Aber nach 20 Jahren Ehe braucht man auch Unabhängigkeit und das kann manchmal schwierig sein. Andererseits ist es hart, wenn man so lange voneinander getrennt ist und all die Arbeit, die man in die Beziehung steckt, scheint umsonst. Davon handelt der Song. Aber alles in allem bin ich immer noch verheiratet und sehr glücklich damit.

Kannst du etwas über den Hintergrund des Songs „Coffee, Methadone & Cigarttes“ erzählen?

Ich erzähle oft Geschichte über andere Personen und auch wenn darin immer ein Teil von mir steckt, sind sie nicht zwangsläufig autobiografisch. Die Geschichte hinter diesem Song ist aber genau so passiert. Es geht um meinen Vater, der seit 20 Jahre an chronischen Schmerzen leidet und deshalb Methadon nimmt. An einem Morgen war ich bei ihm und habe Frühstück gemacht. Ich habe ihn gefragt, ob er auch etwas essen möchte, aber er verneinte und hat stattdessen eine Tablette Methadon eingeworfen, sie mit Kaffee runtergespült und sich eine Zigarette angezündet. Was für ein Frühstück [Lacht]. Der Hintergrund ist, dass sein Vater in einem Buschfeuer starb, als er selbst neun Jahre alt war. Sein Vater hinterließ acht Kinder im Alter von ein bis zehn Jahren und dieses Unglück hatte einen gewaltigen Einfluss auf unsere Familie. Wie ein Trauma, das sich über Generationen zieht. Davon handelt der Song.

Ist Musik für dich eine Möglichkeit, dich selbst ein wenig zu therapieren?

Ja, absolut. Musik ist für mich ein Medium, mit dessen Hilfe ich versuche der Welt ein wenig Sinn zu geben. So war es schon immer. Durch die Musik kann ich von den persönlichsten und dunkelsten Sachen erzählen, die ich eigentlich niemandem erzählen würde, aber ironischerweise gelangen sie genau dadurch in die ganze Welt.

Du warst vor kurzem in Indien, um von einem Musiker zu lernen. Was hatte es damit auf sich?

Ich bin immer an neuen Dingen interessiert. Ich bin nach Indien gegangen, um eine Technik zu lernen, die tausende Jahre alt ist. Ich bin kein Purist. Mich interessiert nicht, woher Sounds kommen, wenn sie für mich gut klingen.

Wie fühlt sich das Touren für dich nach all den Jahren an?

Es ist eine immer noch unglaublich. Ich bin eben erst durch den Park gejoggt und habe darüber nachgedacht, dass ich die Möglichkeit habe, gerade in Deutschland zu sein und heute Abend ein Konzert zu spielen. Hin und wieder muss ich mich kneifen, um zu realisieren, dass das wirklich passiert. Ich kann nach all den Jahren noch live spielen, bin gesund und habe manchmal sogar meine Familie auf Tour bei mir. Es ist ein Segen, von so vielen guten Menschen umgeben zu sein und mit ihnen zu arbeiten. Ich gebe alles dafür, weiter fit zu bleiben und gute Shows zu spielen und sehe die Möglichkeit, all dies zu tun, als großes Geschenk an.

Hört hier das neue Album „Home“

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