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Kevin: Krach aus dem siebten Stock

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Pop-Punk erlebt aktuell eine beachtliche zweite Blüte. Internationale Acts wie Olivia Rodrigo, Yungblud und Willow feiern riesige Erfolge, alte Veteranen wie blink-182 und Avril Lavigne kehren zurück und im Undeground brodelt es sowieso. Einer unser Favoriten, wenn es darum geht den ungestümen Sound von damals kredibil ins Hier und Jetzt zu holen: Kevin. Wir haben den Newcomer für euch unter die Lupe genommen.

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Hals über Kopf nach Berlin

Wer es schafft, sich als Künstlernamen einfach nur schlicht „Kevin“ auszusuchen und trotzdem in kürzester Zeit so etwas wie einen kleinen Hype um sich zu erzeugen, macht scheinbar irgendetwas richtig. Der Newcomer ist 23, wird aber nach eigener Aussage immernoch auf 18 geschätzt, und lebt in Berlin. Die Hauptstadt ist schon seit einigen Jahren seine Wahlheimat, nachdem er ohne konkreten Plan aus seiner eigentlichen Heimat München weggezogen ist. Und welche Stadt würde sich schon besser für einen Aufbruch ins Ungewisse anbieten als Berlin? Die Musik begleitet ihn eigentlich schon sein ganzes Leben lang und eine gewisse Prägung ist wohl unvermeidbar, wenn die Mutter Goth und der Vater Metalhead ist. „Wegen den ganzen Festivalbesuchen war mein Arm mit 11 schon zur Hälfte voller Bändchen, die ich nie abgemacht habe, bis ich von der Schule dazu aufgefordert wurde wegen der Gefahr beim Sportunterricht“, erinnert sich Kevin zurück.

Am Anfang war ein Mic

Der Startschuss für die eigene Musik-Karriere kommt dann aber doch aus einer anderen Richtung, genau genommen aus Schweden. Yung Lean veröffentlicht in den frühen 2010er Jahren seine ersten Songs und liefert damit nicht nur eine Blaupause für Cloud Rap, sondern hinterlässt zusätzlich bei der ersten Generation von Digital Natives einen tiefen Eindruck – so auch bei Kevin. „Das irgend so ein Kind aus Stockholm mit nem Laptop und Mic Tracks mit seinen Freunden im Keller gemacht hat, die so viele Leute beeinflusst haben fand ich krass. Hab mir dann mit meinem Geburtstagsgeld oder so mein erstes Mikrofon bestellt und einfach angefangen, Musik zu machen, ohne ernsten Hintergedanken“.

Aus diesen unschuldigen Anfängen wurde schnell mehr: 2020 veröffentlicht Kevin seinen ersten richtigen Song. „Kleinstadt“ ist Emo durch und durch, hier wird Schlaflosigkeit und Sehnsucht auf knirschenden E-Gitarren verarbeitet, irgendwo zwischen den großen Bands der 2000er und neuen Impulsen von Künstlern wie Lil Peep.

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„Kevin, schau dass du nicht fällst“

„Kleinstadt“ bekommt bereits einiges an Aufmerksamkeit und Kevin bleibt weiter am Ball, veröffentlicht weitere Singles, bis es dann zum ersten Mal so richtig knallt. 2021 erscheint „Schau dass du nicht fällst“ und wird zum bisher erfolgreichsten Song des Newcomers. Das könnte an der tighten Produktion von Ericson liegen, der in jüngster Vergangenheit auch mit Ski Aggu und $oho Bani gearbeitet hat. Vielleicht ist es auch das DIY-Video, das mit seinen schnellen Schnitten und verwackelten Aufnahmen den rohen Vibe des Songs perfekt einfängt. Vielleicht ist es aber auch einfach Kevin, der hier authentisch das Teenage-Gefühlschaos einfängt, das Kommerz-Giganten wie Machine Gun Kelly vergeblich jagen.

Überhaupt steht Kevin der aktuellen Pop-Punk-Welle, in der auch er selbst irgendwie mitschwimmt, nicht ganz unkritisch gegenüber: „Ich hab das Gefühl, dass die meisten Leute die zur Zeit mit der Bewegung in Verbindung gebracht werden, absolut keinen Bezug zu den Wurzeln des Genres haben und das auch nicht ändern wollen“

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Don’t Overthink Shit

Kevin hat in seiner zugegebenermaßen noch sehr jungen Karriere schon jetzt ein wertvolles Talent offenbart und zwar: wissen, wann es genug ist. Seine Songs leben von echten Emotionen und unmittelbarer Catchyness und brauchen selten mehr als ein paar Akkorde. Dadurch wirkt Kevins Musik unverkrampft und glaubwürdig, eben direkt aus dem Kopf eines jungen Erwachsenen entsprungen und nicht aus der Maschinerie eines Major-Labels heraus gepresst.

Diese Qualitäten erhält sich der Newcomer auch auf seiner ersten EP, die er im vergangenen Juni veröffentlicht. „7“ enthält – wider Erwarten – sechs Songs, teils schon bekannte Singles, teils neue Stücke. Die Zahl findet sich auch im Instagram-Namen „@kevinimsiebten“ und spielt eine große Rolle für den Newcomer: „Ich hab ne sehr prägende Zeit in meiner Wohnung im Siebten Stock gehabt, von den Erfahrungen her negativ, aber hätte ich die damals nicht gesammelt, hätte ich vieles was ich über mich selber gelernt habe, einfach nicht gelernt.“

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Gefühle auf maximaler Lautstärke

Mit „7“ sind wir schon fast in der Gegenwart angekommen. Im Oktober veröffentlicht Kevin eine weitere Single, „Eins Zwei“. Die Lyrics sind wie immer simpel und naiv, aber genau dadurch irgendwie sweet und nachvollziehbar: „Teil’ mein Herz in zwei, teil’ mein Herz in vier / Egal, was du machst, bitte mach es nur mit mir“. In Kevins Gefühlswelt ist der Sound auf voller Lautstärke aufgedreht, maximale Liebe, maximaler Heartbreak, höchste Höhen und tiefste Tiefen, von allem zu viel und gleichzeitig zu wenig.

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Aber wie geht es jetzt weiter? „Gerade will ich einfach nur so viel Live spielen, wie’s geht. Es ist krass, wenn man den Leuten in echt gegenüber steht und merkt dass das, was man macht, nicht umsonst ist und was in Menschen, egal wie vielen, auslöst. Projekt mäßig sitze ich zurzeit mit 2 Freunden an meinem erstem Album. Bedeutet mir ziemlich viel das Projekt, is auch so gut wie fertig.“ Gute Nachrichten also für alle, die heißhungrig auf neue Musik warten. Alle anderen, die mit Kevin noch nicht vertraut sind, haben jetzt noch die Chance, sich frühzeitig einzuklinken und mitreißen zu lassen – es lohnt sich.