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Micha trifft Yannis von Foals: Neues Album „Life is Yours“, Videodreh in der Ukraine und Optimismus

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Was tun, wenn einem inmitten von nicht-enden-wollender Lockdowns die Decke auf den Kopf fällt? Na, sich aus der leidigen Pandemie heraus fantasieren, in eine bessere Zeit, an einen besseren Ort! In etwa so ist „Life is Yours“, das neue Album der britischen Indie-Band Foals entstanden. 

Flucht aus dem Hier und Jetzt

Denn eigentlich war die Gegenwart zum Entstehungszeitpunkt alles andere als prickelnd. Während ihrer Asien-Tour mussten Foals Pandemie-bedingt eine Vollbremsung einlegen. Außerdem war die Band zwischen den Jahren 2018 und 2021 vom Quintett zum Trio geschrumpft. Es galt also, zu adaptieren und an diesen neuen Situationen zu wachsen und das taten Foals auf ihre ganz eigene Weise. Aus ihrem kargen Studio im Londoner Stadtteil Peckham heraus schwelgten sie in goldenen Erinnerungen an ihre Anfänge, träumten vom schmissigen Disco-Sound der 80er und all den Parties, die die Zukunft noch bereit halten wird.

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Kehrtwende nach „Everything Not Saved Will Be Lost“

Das Ergebnis klingt nach einem optimistischen Post-Pandemie-Soundtrack und einer Kehrtwende zu den letzten beiden Alben der Band um Sänger Yannis Philippakis. Denn zuvor hatten Foals 2019 die beiden zusammengehörigen Projekte „Everything Not Saved Will Be Lost Part 1“ und „… Part 2“ veröffentlicht, die so gar nicht nach Disco-Euphorie und Zuversicht klangen. Im Gegenteil, da lauerten fatalistische Titel wie „I’m Done with the World ( & It’s Done with Me)“, Ängste vor der Klima-Krise, wuchtige Brecher und nervöse Hektik.

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Zum Glück war es allerdings nur eine Frage der Zeit, bis Songschreiber Yannis nach diesem zweiteiligen Melancholie-Mammut wieder zu neuem Glauben an die Zukunft fand. Davon zeugte im vergangenen November „Wake Me Up“ – abgesehen von einigen Kollaborationen und Remix-Veröffentlichungen die erste richtige Foals-Single seit 2019. Die Schwere des Vorgängers war hier verschwunden, weggekitzelt von Funk-Gitarren und quirliger Percussion, während Yannis lyrisch auf Wolke 7 wandelte: „I’m walking through a dream / I’m walking through the finest place I’ve ever seen / Hey man, won’t you wake me up?“.

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Ein Musikvideo im Schatten des Krieges

Die Zuhörerschaft hatte man damit auf jeden Fall erfolgreich aufgeweckt und heiß auf neues Material der Indie-Truppe gemacht. Das sollte im Februar mit der Single „2am“ folgen. Dass Foals offenbar in ihrer aktuellen Schaffens-Phase mit Disco, Funk und sonstigen Retro-Sounds liebäugeln, zeigte sich hier einmal mehr. Zu „2am“ produzierte die Band außerdem ein großartiges Musikvideo, das mit einem fantasievollen Set die lebendige Energie des Songs untermauerte. Doch das ganze kommt mit einem beklemmenden Beigeschmack. Gefilmt wurde das Video im Januar in der ukrainischen Hauptstadt Kiew – nur wenige Wochen, bevor die Stadt dem russischen Angriffskrieg zum Opfer fiel und bitter umkämpft wurde.

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Interview im Dachgeschoss

Diese besonderen Bedingungen reflektiert Foals-Frontmann Yannis Philippakis im Interview mit Micha. Die beiden treffen sich in der 260 Grad Bar, über den Dächern Berlins und direkt neben der Verti Music Hall, wo Foals am nächsten Abend einen Auftritt haben. Natürlich geht es vor allem um das neue Album „Life is Yours“ und seine Entstehung inmitten von Lockdown und Isolation. Außerdem sprechen die beiden aber auch über die neue Aufstellung der Foals als Trio und optimistische Zukunftsperspektiven trotz einer bedrückenden Gegenwart.

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