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Mit Zouj und „Metal“ in den Hyperpop-Kosmos

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Tagged: Zouj

So wie Björk sich zu „Sugarcubes“-Zeiten entschied, dass es mal gut ist mit dem Punk-Leben, löste sich auch der Multi-Instrumentalist Zouj von seiner Hardcore-Band Lingua Nada. Ab dann wandte sich der Wahlleipziger von der Gitarrenmusik einem experimentellen, elektronischen Sound zu. Außerdem tourte der professionelle Bassist in der Live-Band der Antilopengang und trat mit seinem Soloprojekt Zouj als Vorband für ÄTNA auf. Mittlerweile schwebt er aber irgendwo im Hyperpop-Kosmos, wie in seinem neusten Release „Metal“ zu hören ist. Dabei ist schon faszinierend, wie der Produzent mit französischen, marokkanischen und amerikanischen Wurzeln „Metal“ fernab eines festen Genres verpackt.

Zum menschgewordener Maschinensound

Adam Abdelkader Lenox-Belhaj aka Zouj ist menschgewordene experimentelle Symbiose aus elektronischem Sound und menschlicher Stimme. „Ich versuche, Maschinen menschlich klingen zu lassen, indem ich Fehler, Zufälligkeiten und Temposchwankungen emuliere, während ich als Mensch versuche, wie eine Maschine zu klinge„, beschreibt er seine Kunst.

Mit den zwei Elementen „Mensch“ und „Maschine“ könnte auch sein Künstlername in Verbindung stehen, denn „Zouj“ stammt aus einem marokkanischen Dialekt und bedeutet die Zahl Zwei. Auch sind es vor allem zwei ausgereizte Genrespitzen, welche die Soundästhetik von Zouj besonders machen: Glitch und Pop. Für Zouj bedeutet das, moderne Popmusik neu zu kreieren und vor allem erlebbar zu machen. Digitale oder analoge Soundfehler (Glitchs) im Synth Sound und verzerrter Gesangstimme sind dabei charakteristisch für seine Musik. Eine Kassette aus den 90er-Jahren mit autogetuneter Kinderstimme gab ihm dafür die damals notwendige Inspiration – noch lange bevor die Stimmbearbeitung zum Mainstream wurde.

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Zoujs Welt ist glitchy und surreal

Passend zum Glitch-Pop-Vibe verschwimmen in seinen Songs Traum- und Realitätswelten, die Zouj auch in Animationsmusikvideos mit Hilfe von 3D-Design darstellt. In seiner Debüt-Single „Anxious Sleep“ erzählt der Künstler unmissverständlich, wieso ihm gewisse Spannungen auch im Leben begegnen: Er leidet an Schlafparalyse. Ein Zustand, indem man während der REM-Schlafphase zu Bewusstsein kommt. Während man also das Gefühl hat, dass man gerade aufwacht, ist der Körper wie gelähmt. Durch unterschiedliche Aktivierungszustände verschiedener Hirnbereiche kann es sogar zu Halluzinationen kommen. Manche Kulturen interpretieren die genetische Schlafrhythmusstörung als Besessenheit mit Dämonen oder als Möglichkeit mit den Toten zu kommunizieren. Mit diesem Wissen im Hinterkopf bekommt Zoujs Musik eine ganz andere Dimension.

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Mit seiner Kunst kann Zouj all die Zeitsprünge und Experimente wagen, die ihm bisher in der Popmusik fehlen. Dabei ist es nicht das Musikgenre „Metal“ oder das Material, was er erklingen lassen möchte, obwohl er ironischerweise für die Sounderzeugung synthetisierte Metallophone verwendet hat. Viele mehr fühlt es sich in „Metal“ so an, als würde man bei Mario Kart auf der Regenbogenbahn irgendwann von der Spur abkommen und plötzlich auf der Gruselvilla-Strecke weiterfahren. Schiefe synthetische Sounds brechen aus dem traditionellen Songgebilde des Pop, schlagen ihre eigenen Bahnen und kommen letztendlich doch nicht von der Eingängigkeit ab.

Ich mach mir die Welt, wie sie mir gefällt

Das dazugehörige psychedelische Video in Wes Anderson-Ästhetik ist im Vergleich zu den bisher veröffentlichten das erste nicht-animierte Musikvideo. Auch Zoujs Live-Band ist darin das erste Mal zu sehen. Im Musikvideo wird die Vorstellung einer Person erzählt, die sich eine kontrollierbare Welt wünscht, um selbst nicht mehr verletzt werden zu können. Dabei schlüpft Zouj im gesamten Video in verschiedene Persönlichkeiten: den Concierge des Hotels, den reichen Mann in der Suite und den Bassisten der Hotelband. Dabei verwaltet der Eine den Ort, der Andere gibt das Geld aus und der Letzte tritt auf und unterhält. Am Ende ist jedoch der einzig wahre Freund, mit dem er sich identifizieren kann, ein Roboter. So klingt nämlich auch der metallische Sound der ersten Single-Auskopplung mit der gleichnamigen, kommenden Solo-EP „Metal“.