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Plattenläden vs. DHL: Petition gegen höhere Gebühr

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Es liegt wohl eher an der internationalen Faszination für Krautrock, deutschem Techno und diversen NDW-Vorläufern als an Deutschrap – aber das Ausland ist für viele Plattenladenbesitzer:innen einer der wichtigsten Absatzmärkte. Nun haben Deutsche Post und DHL verkündet, dass die Maße der erst 2019 eingeführten Versandform „Warenpost International“ zum 1. Juli 2022 verkleinert werden. Das trifft die Plattenhändler:innen hart, wie man aus einer aktuell laufenden Petition bei change.org lernen kann. In der Petition „Für die Erhaltung der Warenpost International mit bisherigen Maßen“ erfährt man: „Durch die geplante Änderung der Maße für die Warenpost International (bei der das zweite Seitenmaß auf 25 cm begrenzt werden soll) würde es u.a. nicht mehr möglich sein, die meisten Schallplatten (LP’s) auf diese Weise zu versenden.“

Die Preissteigerung zeigt dieses Beispiel sehr gut: „Die Versandkosten einer LP/12“ mit der Warenpost International betrugen bisher für bis zu 500g weltweit EUR 7,35 (inkl. Sendungsverfolgung). Ab dem 1. Juli wären es EUR 19,89 (für ein Päckchen M International m. Sendungsverfolgung). Bei verschiedenen Zielregionen ist es mal etwas weniger, mal etwas mehr. So oder so, entspricht es mindestens einer Kostenverdopplung.“

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Fatal für Plattenläden

Das Timing könnte nicht ungünstiger sein, denn viele Plattenläden haben nur durch den internationalen Versandhandel die Pandemie überleben können. Die höheren Versandkosten würde die Wettbewerbsfähigkeit massiv beschädigen. Der Kölner Andy Vaz, dem Yore Records und der internationale Vinyl-Mailorder Yore Store gehört, sprach mit dem Mixmag über die Auswirkungen. Er sagt: „Sie haben das Format des Pakets so verändert, dass Vinyl-Schallplatten nicht mehr zu diesem günstigen Preis passen. Es fehlen uns jetzt ungefähr 5 cm. Niemand wird 20 € für den Versand einer 10- oder 15-Euro-Platte zahlen wollen. Das wird sich auf alle deutschen Labels aller Genres auswirken. Und auf Plattenläden. Eigentlich auf jeden, der Platten über Bandcamp oder Discogs verschickt.“ Vaz sieht schwarz für sein Geschäft und seine Zunft: „Ich mache das schon seit 1998, und die USA sind unser stärkster Markt für den Verkauf von Schallplatten. Kein Plattenladen wird ohne diesen Markt überleben können, denn wir können nicht nur von Laufkundschaft leben.“

Wer das Vorhaben unterstützen will und selbst gerne mal bei Discogs Vinyle verkauft, oder einfach nur will, dass der Plattenladen des Vertrauens – sofern man in Streamingzeiten noch einen hat – überleben kann, der sollte hier unterscheiben. Die Petition hat auf jeden Fall schon mal einen Nerv getroffen. 15.000 Unterstützer:innen will man erreichen, im Moment des Schreibens dieser News steht man bei 11.618. Da geht noch was!

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