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„Y/N“ von Esther Yi ist ein surrealer Trip in den K-Pop

Der Debütroman von Esther Yi, die in Los Angeles geboren ist und momentan in Leipzig lebt, ist im Englischen im Verlag Astra House erschienen. Wir hoffen wirklich sehr, dass schon ein deutscher Verlag die Rechte an der Übersetzung hat. Wenn nicht – schön blöd! Der Titel „Y/N“ spricht sich dabei übrigens wie „Your Name“. Diese Abkürzung verwendet man überwiegend in der Welt der Fan-Fiction – in Geschichten, in denen man als Lesende:r eingeladen ist an dieser Stelle den eigenen Namen zu lesen und zu denken. Die namenlose Ich-Erzählerin von „Y/N“ lebt zu Beginn in Berlin, hat einen Medienjob der ihr nicht wirklich gefällt und einen Boyfriend, der sie langweilt. Eines Abends lässt sie sich von einer Freundin überreden auf das Konzert der größten K-Pop-Band der Welt mitzukommen. Anfangs widerwillig und irritiert von den euphorischen Fans an der Arena hat sie während der Show eine Art Erweckungserlebnis. Als das jüngste Mitglied der Band – ein besonders schöner Mann namens Moon – tanzt und singt, verliebt sie sich auf eine Weise in ihn, die weit über Fanliebe hinaus geht. Wenn ihr jetzt aber denkt, Esther Yi hat bloß einen Roman über das Fantum im K-Pop geschrieben, der irrt gewaltig. Das Setting mag vertraut klingen und an Fans von BTS, Blackpink oder Stray Kids erinnern, aber sie dreht die Story von Anfang an ins Abgründige, Surreale und manchmal sehr komische. Esther Yi macht das jedoch nicht auf Kosten der K-Pop-Fans, sondern nutzt diese intensive Verbindung zwischen Fan und Idol als Spielwiese für ihre Fantasie. Denn auch das ist es, was K-Pop oder K-Pop-Fan-Fiction ausmacht: Sie wird von der Fantasie der Fans belebt, die bunt, queer, lustig, fanatisch, abgründig und manchmal ziemlich raunchy werden kann.

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