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Videopremiere: Portmonee machen in „Küss mich“ auf Homophobie aufmerksam

Posted in: Premieren
Tagged: Portmonee

Wer sich in den richtigen Bubbles mit toleranten, weltoffenen Menschen bewegt, bekommt schnell den Eindruck, Homophobie und Diskriminierung wären Probleme der Vergangenheit. Doch dem ist nicht so. Allein im Jahr 2020 wurden in Deutschland insgesamt knapp 800 Straftaten von Hasskriminialität gegen Mitglieder der LGBTQI+ Community gerichtet, über 150 davon waren Gewalttaten – so geht es aus den Daten des Bundesinnenministeriums hervor.

Ungemein wichtig also, dass auch weiterhin so viel Aufmerksamkeit wie möglich auf das Thema gelenkt wird. Das nimmt sich auch die Band Portmonee zum Anlass für ihren neuen Song „Küss mich“. Sie selbst sagen zum Track: „In Deutschland kommt es immer noch vor, dass Menschen wegen ihrer sexuellen Orientierung (halb) totgeschlagen werden. Wir erzählen in ‚Küss mich“ nicht unsere eigene Geschichte, sondern die eines schwulen Freundes. Wir haben lange überlegt ob wir das tun sollten, aber es ist zu wichtig um es nicht zu tun“

Portmonee – Küss mich

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Und der Song hat es in sich. Der brutale, aggressive Sound spiegelt hierbei das rasende Gefühlschaos im Kopf eines queeren Menschen wider, der kurz vor dem Coming Out steht. In einem berührenden Musikvideo von Marco Borowski des Kollektivs queerforward in Zusammenarbeit mit Frieder Unselt und Schauspieler Stefan Kuk wird dieser innere Zustand aus Überforderung, Grübeleien und Selbstzweifeln einzigartig dargestellt. Zu sehen ist ein junger Mann, isoliert in seinem dunklen Zimmer. Man kann ihm das Gedanken-Karussell regelrecht ansehen und wartet als Zuschauer:in nur auf den Tropfen, der das Fass zum Überlaufen bringt.

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Diese Spannung wird auch auf musikalischer Ebene von Beginn an erzeugt. Die lauten Drums, die dominante Bassline und aggressive Stimme des Sängers werden immer drängender und intensiver, bis sie sich im Track wie auch im Video in einem Ausbruch entladen. „Meine Liebe bringt mich um“, so die treffenden Lyrics, welche die Zuschauerschaft nicht nur zutiefst berühren, sondern auch zum Nachdenken anregen. Die Berliner Indieband veröffentlicht mit „Küss mich“ den zweiten Song aus ihrem am 22. Februar folgenden Album „Gesichter Ohne Menschen“, das nach so einem Auftakt mit größter Spannung erwartet werden kann.

Portmonee – Live 2022

25.02.2022 Berlin, Kantine am Berghain

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