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Videopremiere: Sam James weiß nicht, wie man „Libe“ schreibt

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„Dies ist die Geschichte eines Jungen, der so lange nachdachte, dass sich seine Gedanken selbstständig machten“ – Diese Worte eröffnen das Video zum Song „Libe“ von Sänger, Rapper und Produzent Sam James. Es ist nach „Geistertanz“ die zweite Singleveröffentlichung zu seinem kommenden Album „Sam vs. Die Welt II“, das in vier Akte geteilt sein wird. Mit „Libe“ wird Chapter I eröffnet. Das Video zum Song feiert heute bei uns seine Premiere. 

Wie schreibt man denn nun „Libe“?

Im Video, produziert von Timo Vogt, steht Sam James in einer Kirche, wo er sein Spiegelbild in Scherben wiederfindet, die den Fußboden zieren. Schließlich wachte er auf einer von Rosen umzäunten Matratze auf. Während sich der etwas benommene Sam James wieder fasst, leiten sanfte Gitarrenklänge schließlich den Song ein und werden von einem poppigen Drum-Beat abgeholt. 

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Sam James beschreibt auf prägnanten Zeilen, wie es sich anfühlt, ein Leben lang auf Selbstliebe verzichtet haben zu müssen. Denn wer lernt, ständig andere vor das eigene Glück zu stellen, lernt auch nicht „wie man Selbstliebe schreibt“. So geht es Sam James auch in dem Song, in dem „Libe“ konsequent falsch geschrieben wird.

Mit treffenden Worten umhüllt er Aussagen wie: „Ich lauf‘ ein Marathon und lauf gegen mich“. Denn wo hört der Kampf mit den eigenen Gefühlen auf, wenn man bei jedem einzelnen Gedanken und jeder Emotion Schuldgefühle hat? Wenn niemand sonst diese Gefühle zu haben scheint, dann ist die Konklusion daraus umso klarer: Es ist falsch, dass ich mich so fühle. So darf ich mich nicht fühlen.
Oder auch – „Wär‘ ich wie alle, wär‘ ich nicht so geknickt“, denn die scheinen dieses ganze Leben und alles drum herum ja ganz gut gemeistert zu bekommen. In einer Welt, die scheinbar aus inszenierter Selbstdarstellung besteht, kein weit entfernter Gedanke. Das Gras ist nämlich noch immer dort grüner, wo man selbst gerade nicht steht. Dabei wird oft vergessen, dass den sattesten Farbton manchmal auch Kunstrasen besitzt.

Der Kampf gegen die Welt geht weiter

Dass Gedanken, die nicht unbedingt mit Selbstliebe verbunden sind, keine Ausnahme sind, versucht Sam James nicht nur in dem Song, sondern gleich mit seinem gesamten Album zu vermitteln. „Sam vs. Die Welt II“, das an die Vorgänger-EP „Sam vs. Die Welt“ anknüpfen wird, besteht aus Höhen und Tiefen. Hier behandelt Sam James ganz offen und ehrlich seine Erfahrungen mit Psychopharmaka, mentalen Erkrankungen und Zeit in der Psychiatrie. Sein Ziel ist es hierbei mitunter, frischen Wind und Umdenken in sein Hip-Hop-Umfeld zu bringen, das immernoch von Zügen toxischer Männlichkeit geprägt ist. Das Album soll eine Enttabuisierung des Themas Mental Health ermöglichen und einen Raum für mehr Verletzlichkeit aufmachen. Dabei tritt Sam James in einen Kampf gegen die Welt, der vielleicht mehr Verbündete hat, als es scheint.