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Videopremiere: Zwischen Zuckerwatte und Karussell – Telquist lädt ein zum „Trash Talk“

Posted in: FeaturesPremieren

Wenn man Telquist heute hört, ist kaum vorzustellen, dass der Newcomer einen Großteil seiner Jugend ausschließlich mit jamaikanischem Roots-Reggae verbracht hat. Diese Musik dröhnte nicht nur aus seinen Kopfhörern, sondern neben Ska-Punk und Indie auch von den Bühnen, die er als Mitglied verschiedener Bands bespielte. Aber irgendwann ermüdeten diese festen Genre-Grenzen Sebastian Eggerbauer, wie Telquist eigentlich heißt, und er begann an Solo-Musik zu tüfteln, die das Schubladen-System sprengen sollte. Das passierte eine Zeit lang im stillen Kämmerchen, bis sein Bruder die Musik zu hören bekam und Sebastian dazu animierte, sein Projekt erstmals anderen zu zeigen. Dieser erste Schritt landete ihm glatt einen Vertrag mit dem österreichischen Indie-Label Wohnzimmer Records, wo 2017 dann das Debüt-Album „Strawberry Fields“ erschien. Telquists Sound zündete bei Radios und Musik-Blogs im ganzen Land: Verschleppte Singer-Songwriter-Poesie auf Englisch und gitarrenlastiger Indie treffen auf Off-Beat-Anleihen aus seiner Reggae-Vergangenheit und unterschwellige Elektro-Details. Trotzdem war es in den letzten beiden Jahren dann eher ruhig um Telquist, eine musikalische Funkstille, die er heute mit seiner neuen Single „Trash Talk“ bricht.

Telquist – Trash Talk

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Mit „Trash Talk“ meldet sich Telquist mit dem ersten Lebenszeichen seit seinem Debüt zurück und zeigt damit gleich, dass er sich weiter entwickelt hat, ohne den bisherigen Stil aus den Augen zu verlieren. Die Neuerung knallt uns direkt in den ersten Sekunden um die Ohren: Fetzende Gitarren lösen den bisher vornehmlich ruhigen Indie-Sound ab, werden eins mit aufjaulenden Samples und drückenden Synths. Diese eröffnende Explosion wird schnell auf tragende Drums und Gitarren-Verzierungen reduziert, während Telquist uns mit bitter-süßer Nostalgie zurück in die Teenage-Jahre nimmt. Die ersten Experimente mit Vodka-Orange und Freunden, die heute geographisch wie auch emotional entfremdet sind. Die gemeinsame Zeit lebt wieder auf beim gemeinsamen, titelgebenden Trash Talk, den Telquist in der schrillen Hook besingt. Besonders auffällig ist der Sample-Einsatz: Schon auf dem Debüt-Album entlehnt Telquist seinen Umgang mit Samples aus dem Hip Hop und tüftelt Sound-Fetzen in seinen instrumentalen Band-Sound. Das passiert auch hier wieder, die melancholische Vergangeheit der Strophe wird in der Hook zur krachenden, lebendigen Gegenwart, so abstrus und bunt wie der Schauplatz, den sich Telquist für seinen „Trash Talk“ gesucht hat. Ausgestattet mit Zuckerwatte schlendert der Musiker verschmitzt über einen Jahrmarkt und erinnert sich zwischen Spiegelkabinett und Karussell zurück an das Chaos der Jugend.

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