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Videopremiere: Yum Yum Club ändern den Blickwinkel auf die Nacht

Posted in: Premieren
Tagged: Yum Yum Club

Es ist ein Song, der eigentlich nicht besser in die aktuelle Zeit passen könnte: „Lieber nicht raus und einkaufen gehen. Lieber nicht raus und Freunde treffen gehen. Was damals – im Jahr 2018 – noch als Songfragment aufgeschrieben wurde, ist heute, drei Jahre später zu einer sozialen Solidaritätsverpflichtung geworden. Damit wird auch verdeutlicht, wie schnell heutzutage Sprache ihre Wirkung ummünzen kann und neue Verwendung findet. Doch stellen wir den aktuellen Zusammenhang einmal beiseite, könnte dem Songtext von „Heute nicht raus“, trotz seiner sprachlichen Reduktion auch ganz andere Bedeutungen zugeschrieben werden. Beispielsweise die Ausprägung einer sozialen Angststörung oder sogar Konsumkritik. 

Yum Yum Club – Heute nicht raus

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Letzte Verbindungen könnte wohl noch am deutlichsten mit dem dokumentarischen Musikvideo gezogen werden. Marius Schwingel als Teil des Kollektivs Yum Yum Club sowie die weiteren Mitglieder Paul Abbrecht, Julian Knoth und Philipp Knoth begleiten in besagtem Clip Nevenko, der während seiner Nachtschicht bei der Straßenreinigung in Stuttgart im Juli 2020 das rege Nachtleben durchstreift.

Es sind Bilder von feiernden Menschen, welche der Hauptcharakter bei seiner gewissenhaften Arbeit beobachtet, die bei heutiger Betrachtung in weite Ferne gerückt sind. Die Geräuschkulisse der Stadt verbindet sich dabei mit dem Fahrzeuglärm sowie dem Radiosound und führt zu den experimentellen Klängen des Songs über. Die düster-industrielle Grundstimmung der Synthies wird durch den Drummeinsatz verstärkt und findet immer wieder Höhepunkte durch verzerrte Geräuschfetzen, die Assoziationen mit Wasser oder Wind hervorrufen oder den dringlichen Gesang, der dabei wie eine repetierende Rechtfertigung und Erleichterung klingt.  

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Das Chaos der Stadt durch die damalig stattfindenden Randale wird sowohl durch Bild und Ton festgehalten und das Momentum der Jamsession-Aufnahme wirkt auf die Hörer:innen dadurch greifbarer denn je. Wie zu Beginn findet der Song sein Ende durch das Fahrzeugradio und verhallt im Klang eines Beckenschlages. Den letzten musikalischen Feinschliff verpassten daraufhin im Prozess Max Rieger beim Mixing und Enyang Urbiks im Master. 

„Heute nicht raus“ bildet nicht nur das Debüt des Kollektivs, sondern auch den Beginn ihres bevorstehenden ersten Albums. Man kann also gespannt sein, welche Schätze noch seit Jahren auf den Rechnern der Mitglieder verborgen liegen und nun ans Tageslicht rücken.