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Katharina Schüttler trifft Dirk von Lowtzow: „Ich tauche auf“, Kindheit & Träume

Posted in: Titelstory

Tocotronic-Sänger und Autor Dirk von Lowtzow hat ein neues Buch veröffentlicht: „Ich tauche auf“ erschien gerade bei Kiepenheuer & Witsch. Nach seinem gefeierten Debüt „Aus dem Dachsbau“, das mit dem Literaturpreis der Landeshauptstadt Wiesbaden ausgezeichnet wurde, erzählt Dirk von Lowtzow in seinem neuen Tagebuchroman von einem Jahr des äußeren Stillstands und des inneren Aufruhrs. Er selbst sagt: „Ich erzähle darin vom Jahr der unfreiwilligen Ruhe, 2020/21, zwischen meinem 49. und 50. Geburtstag. Was zunächst als Tagebuch konzipiert ist, verwandelt sich bald in eine Kartierung der Wünsche, Hoffnungen und Phantasmagorien in einer Welt, die auch die unsrige ist – und doch eine andere.“

Die intensive Selbstreflexion scheint aber Früchte getragen zu haben: „Ich hab‘ meinen Platz gefunden“ sagt er im Song „Sehnsucht nach unten“, der exklusiv zur Veröffentlichung des Buchs erschienen ist. Ein Gedankengang, der ihm dabei besonders geholfen hat, ist das Hineinversetzen in sein früheres Ich und insbesondere seine Kindheit. Den Titel „Ich tauche auf“ bekommt das Buch (neben der Anspielung auf den Tocotronic-Song) schließlich von dem Gedanken, dass man durchs Eintauchen in Welten wie das kindliche Mindset vielleicht wieder in einer anderen Welt auftauchen könne. Und wer entscheidet überhaupt, was über und was unter Wasser ist?

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Schauspiel als verbindendes Element

Dieses Schlüpfen in verschiedene Rollen ist auch seiner Interviewpartnerin nicht gerade unvertraut: Katharina Schüttler. Schon mit elf Jahren bekommt die Schauspielerin ihre ersten Rollen und zum Zeitpunkt des Abschlusses ihres Schauspiel-Studiums in Hannover war sie schon dreimal im „Tatort“ zu sehen. Besonders liebt sie es, extreme Figuren zu spielen, Personen, die in existenziellen Notlagen sind.

Katharina Schüttler und Dirk von Lowtzow kennen sich bereits seit einigen Jahren und sind große Fans voneinander. Katharina erzählt, dass sie sich zum ersten Mal bei einem Filmdreh begegneten, in den Tocotronic zufällig hineinliefen. Das Theater des Westens in Berlin ist also ein geeigneter Treffpunkt für ein Interview, denn das Schauspiel verbindet die beiden. Insbesondere Katharina hatte natürlich schon früh Berührungspunkte damit, ihre Eltern arbeiteten beide in der Theaterbranche. Aber auch Dirk zeigt seine Faszination für das Thema, wenn er mit Katharina darüber philosophiert, inwiefern Inszenierung und Schauspiel mit Lücken in einem Pullover vergleichbar seien.

„Die spannendste Abenteuerreise“ ist die Selbstanalyse

Aber auch noch generelleren philosophischen Themen widmen sich die beiden, motiviert durch den Weg zur Anarchie und Gewissheit, den Dirk durch die Selbstanalyse in seinem Buch sucht. „Ich finde das eigentlich die spannendste Abenteuerreise, sich selbst zu kapieren und zu gucken, […] was wozu geführt hat und warum wir uns so bewegen, wie wir das tun und ob es die Möglichkeit gibt auf eine Freiheit“, sagt Katharina. Dirk gibt zu, dass das aber auch unschöne Seiten mit sich tragen kann: „Wenn man versucht, diese Kräfte, die es da gibt, zu analysieren, und das auch ziemlich schonungslos, das kann sehr schmerzhaft sein. Wenn man merkt, man hat sich etwas vorgemacht.“

Das bewusste Hineindenken ins innere Kind bringt die beiden dazu, diese Zeit gemeinsam zu reflektieren. Beide sind sich einig, dass sie ängstliche Kinder waren. Dirk sieht aber das Potenzial darin, diese kindlichen Elemente in der eigenen Kunst zu bewahren. Und Katharina stimmt ihm zu, vor allem, weil es der oft so belesenen Kunst eine ehrliche, unschuldige Note gibt: „Dieses Festhalten an etwas aus der Kindheit und dem Kindsein […] finde ich auch eine ganz große Offenheit, zu sagen ,so that’s me!‘“

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