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Marti Fischer trifft Deichkind: Über YouTuber:innen, Inspiration, Pandemie und „Neues vom Dauerzustand“

Posted in: Titelstory

„Die dicke Wirtin“ ist ein stadtbekanntes Alt-Berliner Kneipen-Restaurant und die beste Kulisse für das, was Kryptic Joe von Deichkind am Anfang einen „Klönschnack“ nennt. Kryptic Joe war am Vormittag zu Gast in Martis bekannten YouTube-Format „Wie geht eigentlich Musik?“, jetzt nehmen die beiden sich eine Stunde Zeit, um sich für unsere Titelstory noch ein bisschen besser kennenzulernen.

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Der Interviewer als Fan

Marti Fischer macht gleich zu Beginn des Gesprächs klar, dass er großer Fan von Deichkind ist – seitdem er sie damals auf dem Rückweg vom Deichbrand-Festival im Auto hörte. „Als wir zurückgefahren sind, kam im Radio ‚Wer sagt denn das?‘. Ich war hin und weg. Ich sozusagen das Auto in dem Moment. Weil: das war so geil! Der Sound! Insgesamt, dieses ‚huluhuluhulu‘, was da drin ist, diese Flötenartige, der Bass, diese Kriegstrommeln fast schon. Das war einfach geil.“ Kryptic Joes trockene Antwort darauf: „Ich war eigentlich gar nicht so zufrieden mit dem Lied.“ Was soll man sagen? Der Mann ist halt Norddeutscher.

Dass die beiden immer wieder über das Musikmachen sprechen, kommt nicht von ungefähr. Denn auch wenn Marti sich schon als Youtuber bezeichnen würde, ist ein Großteil seines Contents sozusagen musikgetrieben. Mit den Mitteln der Comedy nimmt er sich also ganz offensichtlich sein Herzensthema vor. Was besonders gut funktioniert bei „Wie geht eigentlich Musik?“, wo er Sounds und Phänomene erklärt und nachbaut, und bei seinen lustigen Cover-Versionen – wie zum Beispiel die Swing-Version von Haftbefehls „Chabos wissen, wer der Babo ist“.

Ein Blick in die Maschine Deichkind

Kryptic Joe und Deichkind muss man euch ja vermutlich nicht mehr vorstellen. Aber vielleicht Philipp Grütering. So heißt Kryptic Joe nämlich mit bürgerlichen Namen. Und in diesem Gespräch gibt er Einblicke in das Doppelleben eines Deichkinds. Marti fragt ihn: „Wenn ihr unter euch seid beim Produzieren, dann seid ihr jetzt nicht eure Figuren, oder?“ Und Philipp antwortet: „Klar. Und das ist manchmal nämlich auch eben so, dass du denkst: Ist das jetzt interessant? Das, was ich wirklich bin? Oder ist einfach die Person, die auf der Bühne steht, interessant? Aus diesem Konflikt muss man schöpfen – dieses Verrückte, dieses Weirde.“

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Die Skype-Dates wurden immer melancholischer

Selbst dem leidigen Thema „Pandemie“ kann Philipp noch eindrückliche Worte abbringen. „Was ich gut fand beim Album, war, dass man auch anders Zeit hatte durch die Pandemie. Es ist ja unser Pandemie-Album. Wo es im Lockdown erst einmal gar nicht möglich war, Musik zu machen. Das war für uns total schwer. Wir haben uns dann eine Zeit lang bei Clubhouse getroffen. Dann haben wir mit acht Leuten Skype-Parties gemacht, Bier getrunken und Musik gehört. Das war noch alles witzig. Aber es ging dann gefühlt mit jeder Woche weiter abwärts. Es wurde immer melancholischer und die Meetings seltener.“

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Aber – und das beweisen die Songs des eben veröffentlichen neuen Albums – Deichkind haben kreativ mehr als die Kurve gekriegt. „Neues vom Dauerzustand“, das an soeben veröffentlicht wurde, ist „classic Deichkind“ und trotzdem auf neuen Pfaden unterwegs. Kryptic Joe und Porky reisten dafür auch schon mal zu den Drunken Masters oder in Cluesos Heimstudio, um neue Impulse und neue Sparringspartner zu finden. Auch hier gibt’s sweete Blicke hinter die Kulisse von Kryptic Joe: „Als wir bei Clueso in Erfurt waren, kamen auf einmal sein Vater und sein Bruder rein, während wir Musik machten, setzten sich aufs Sofa und kommentierten immer ganz selbstverständlich, was wir da musikalisch so machten. Das fand ich erstaunlich. So würde ich mit meiner Mutter niemals über meine Musik reden.“

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