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Talk zu 75 Jahre AMIGA: Max Herre & Dexter treffen Musiker:innen aus der DDR

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Das Plattenlabel AMIGA ist integraler Bestandteil der DDR-Geschichte. AMIGA vertrieb einheimische Produktionen und Lizenzpressungen von ausgewählten Bands aus dem Westen – wer in der DDR Musik veröffentlichen wollte, kam an dem Label und seinen Kontrollinstanzen nicht vorbei. Welche Künstler für AMIGA tätig sein durften, entschied die staatliche DDR-Kulturpolitik. So wurde zum Beispiel bestimmt, welche Stücke beziehungsweise Texte von welchen Künstler:innen produziert werden durften. Neben wichtigen Alben und Singles, die bei AMIGA erschienen sind, ist das Label auch die Heimat der beliebten „Hallo“-Sampler, auf denen in den 1970ern die Highlights aus der aktuellen Pop-Musik zusammengetragen wurden. Heute sagt man, dass diese Jahre zu den besten der DDR-Popmusik zählten. Nun, Dekaden später, erscheint zum 75. Jubiläum von AMIGA eine neue Ausgabe: „Hallo22“, kuratiert von zwei großen Fans – Max Herre und Dexter

Max Herre und Dexter beschäftigen sich beide jeweils schon Jahrzehnte mit dem Katalog des Labels und sind auf ihrer Jagd nach Samples immer wieder über den Rock, Funk, Jazz und Soul aus Ostdeutschland gestolpert. Für die neue „Hallo“-Kompilation stellen sie nicht nur ihre persönlichen Favorit:innen und versteckten Perlen zusammen, sondern ergänzen die AMIGA-Diskographie auch um neues Material. So erschien vor wenigen Wochen die Single „Das war nur ein Moment“, gesampled aus dem gleichnamigen Stück von Manfred Krug. Außerdem nahmen sie sich „Aus und vorbei“ von Panta Rhei vor.

Eine Art Wiedervereinigung an einem geschichtsträchtigen Ort

Um das Jubiläum zu komplettieren, haben wir ein Treffen zwischen damals und heute organisiert: Im Funkhaus Nalepastraße in Berlin, einst Sitz des Rundfunks der DDR, treffen Max Herre und Dexter auf Musiker:innen aus der AMIGA-Zeit. Mit dabei: die Jazz- und Soul-Sängerin Uschi Brüning, der AMIGA-Nachlassverwalter Jörg Stempel, der Jazzpianist, Holzbläser und Komponist Günther Fischer, Rockmusiker Henning Protzmann (u.a. Pantha Rei und Karat) sowie Schriftstellerin Gisela Steineckert. Im Gespräch beleuchten die Protagonist:innen die besonderen Umstände des Musikmachens in der DDR – vom Lektorat über ideale (Studio-)Bedingungen bis hin zu exzellent ausgebildeten Musiker:innen.

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Max Herre, der sich als Westdeutscher gemeinsam mit Produzent Dexter vor dem AMIGA-Werk „verneigen“ möchte, erklärt im Gespräch, dass die AMIGA-Zeit „im toten Winkel des gesamtdeutschen Musikkanons stattgefunden“ habe. „Es ist eine außerordentliche Zeit, die in den letzten Jahrzehnten viel zu wenig gewürdigt wurde.“ An die Gesprächsrunde gerichtet, führt er aus: „Wir stehen alle auf euren Schultern mit dem, was wir hier machen.“ Uschi Brüning betont schließlich: „Es ist ‚another Kind of‘ Wiedervereinigung. Hier findet sie statt!“

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