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Vier Freund:innen und der lyrische Glückfall: Endless Wellness

„Ich weiß jetzt endlich, wo ich sein mag“ / Und das ist entweder bei SPAR / in der Tiefkühlabteilung / Oder in einer dicht gefüllten Bar“. Ist die Ambivalenz des modernen Lebens jemals besser beschrieben worden? „Donnerwetterblitz!“ möchte man da fast rufen – und täte man es, hätte man auch gleich den Namen des Liedes genannt, aus dem Zeilen stammen und mit dem Endless Wellness ihr Debütalbum eröffnen. Das kommt am 26. Januar, trägt den schönen Namen „Was für ein Glück“, und wer deutschsprachige Musik schätzt, dürfte es wirklich für einen Glücksfall halten. Hier wird dermaßen originell, neben der Spur und trotzdem on point gesungen, gespielt und getextet, dass es eine wahre Freude ist.

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Damals in Salzburg

Philipp Auer (Gesang, Rhythmus-Gitarre), Milena Klien (Bass, Gesang), Adele Ischia (Lead Gitarre) und Hjörtur Hjörleifsson (Keys) gründeten Endless Wellness 2021 in Wien, kennen sich aber schon seit 13 Jahren. Damals lebten sie in Salzburg, waren eine Clique, spielten in verschiedenen Bands. Als wir die vier im Rahmen des Popfest Wien im Spätsommer trafen, war der Vibe auch eher „Kaffee mit Friends“ als „Interview mit Band“. Die vier verströmten eine Verbundenheit und eine gegenseitige Wertschätzung, die man als Journalist:in selten erlebt. Herrlich wholesome war das.

Den in Island geborenen Hjörtur Hjörleifsson könntet ihr übrigens schon als Teil der Band Oehl kennen. Er ist ein wenig „Schuld“ daran, dass es Endless Wellness gibt. Als Philipp ihm seine auf Deutsch geschriebener Lieder zeigte, nahm alles seinen Anfang. „Endless Wellness ist sehr aus dem Bedürfnis heraus entstanden, diese Lieder, die Philipp mir gezeigt hat, irgendwie einfach in einer Bandform zu sehen“, erzählte uns Hjörtur. „Ich habe ihm gesagt: ‘Geht gar nicht, dass du keine Band für hast. Das muss raus.’“ Die Personen, mit denen man die Band gründet, seien dann irgendwie klar gewesen: „Für mich war offenbar, dass Milena und Adele dazu kommen. Sie sind eigentlich unsere closest friends. Und dann hab’ ich ein Schlagzeug gekauft, Adele hat Gitarre gelernt und ab da gab es keine Ausreden mehr.“ Tatsächlich konnte Adele zur Zeit der Bandgründung „nur“ Geige spielen – und das ziemlich gut. Also fiel es ihr gar nicht so schwer, Gitarre zu lernen, sagt sie.

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Weird, weise und witzig

Schon die Debütsingle „Hand im Gesicht“ hat uns dann ziemlich begeistert. Musikalisch klingen bei Endless Wellness Indie-Perlen wie Big Thief, The Decemberists, die frühen, folkigen Arcade Fire oder Neutral Milk Hotel an, lyrisch wird es schwer, passende Referenzen zu finden. „Und meine Mama hat gesagt / Wenn ich nackig durchs Haus glaufen bin / Da kommt ein Wiesel und / Frisst dein Spatzi / Und seitdem bin ich echt nicht so gern / Ein Nackapatzi.“ Das muss man textlich erst einmal so bringen – und dann das Kunststück hinlegen, einen Song zu schreiben, der Kindheitserinnerungen, körperliche Unsicherheiten, das Nacktsein, das Mannsein und die Liebe verhandelt und trotzdem einen Heidenspaß macht. Endless Wellness sind in ihren besten Momenten weird, weise und witzig zugleich – scheuen sich aber auch nicht vor härteren Themen. Was dann die zweite Single „Kinder“ bewies.

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Die Unmöglichkeit einer Zukunftsplanung

„Vielleicht is es ein Haus am Meer / Aber die Sache ist die, der Umstand ist der / Dass ich keine Kinder will mit dir / Und auch sonst mit niemandem / Wo sollen die auch hin wenn die Küste brennt / Und Rauch liegt über jedem Kontinent.“ Der Song platzte im letzten Jahr mitten in den Auftakt der europäischen Waldbrand-Saison. Wie passend. Milena erklärte dazu: „’Kinder’ ist ein Song, den wir dann schon gemeinsam als Band geschrieben haben. Er ist total stark aus einer Diskussion entstanden, die wir geführt haben. Es ging ums Kinderkriegen, um Zukunftsplanung und die Unmöglichkeit, sich dem wirklich aussetzen zu können – in einem Moment der Ungewissheit und gleichzeitig der Gewissheit, dass viele Sachen auf der Welt sehr viel schlimmer werden.“

Die Möglichkeit einer Bandzukunftsplanung

Für die Band selbst wird es in Zukunft hoffentlich eher sehr viel besser: Nächste Woche spielen sie mit Labelkollegin Rahel in Berlin im FluxBau, bevor dann Ende des Monats „Was für ein Glück“ erscheint und das reguläre Touren beginnt. Elf Songs sind auf ihrem Debütalbum und wir hoffen sehr, dass sie damit endgültig den Status des Geheimtipps hinter sich lassen und man auch in Deutschland lernt, was ein „Nackapatzi“ ist. Hjörtur erzählte uns im Sommer, dass die gemeinsame Arbeit im Studio, ihre Freundschaft noch mehr vertieft habe. „Wir haben gemerkt, dass es echt was Besonders ist und urschön, dass wir jetzt unsere Freundschaft neu erleben können in diesem musikalischen Miteinander.“ Das Urschöne für uns und euch: Wenn man sich bei einem Konzert von Endless Wellness vor die Bühne stellt, breitet dieses musikalische Miteinander die Arme aus – und schließt auch das Publikum ein.

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