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Wavvyboi – Die Zukunft des deutschen RnB?

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Die Karriere des Liechtensteiners beginnt früh. Im Alter von zwölf Jahren fängt er an Klavierunterricht bei Stefan Frommelt zu nehmen. Dieser wird schnell zu seinem Mentor und bringt ihm bei, eigene Musik zu produzieren. Zunächst spielt er in einigen alternativen Bands und beginnt auf SoundCloud erste Cover-Versionen zu veröffentlichen. So und macht daraus eine ganz eigene, ruhige Piano-Version.

Kurz darauf veröffentlicht Wavvyboi seine ersten eigenen Tracks. Für pickte er einen YouTube-Bryson-Tiller-Type-Beat von David Wud und verwandelt auf dem Song seine Gefühle in Melodien. Dabei verzerrt er seine süßlich warm klingende Stimme durch Hall und den Einsatz anderer Effekte so stark, dass teilweise die Lyrics kaum verstanden werden können. Trotzdessen geht der Song direkt ins Ohr und verleitet einen dazu, ihn immer wieder zu hören. Der Track landet in der geschlossenen Facebook Gruppe „Lifestyle Mob“. Daraufhin werden andere Musiker auf ihn aufmerksam. Die damals noch vereinten Jungs von Dat Adam laden ihn nach Köln ein und eine Zusammenarbeit entsteht. Er bricht das Gymnasium in Liechtenstein ab und zieht nach Köln, um sich voll und ganz auf seine Musik zu konzentrieren.

Wavvyboi – Fall in Love with me

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Im September 2017 veröffentlicht er dann das sieben Tracks umfassende Projekt „Blonde Boy Fantasy“, welches er gemeinsam mit Kaleidoscope produzierte. Die EP zeigt Wavvybois gesamten musikalischen Facetten: er wechselt von Deutsch nach Englisch, gleitet von urbanen RnB-Klangwelten in alternative Arrangements und huldigt dem RnB-Star The Weeknd mit einem Remix zu „High for this“. Dass der Amerikaner eine Inspiration ist, lässt sich nicht überhören, aber Wavvyboi macht aus dieser etwas ganz Eigenes.

„Blonde Boy Fantasy“ klingt nach einer langen nächtlichen Fahrt auf einer leeren Autobahn, in der man Meter für Meter den vorbeiziehenden Asphalt unter seinem alten Polo spürt und die Rücklichter mancher BMWs hinter sich lässt, um selbst auf der mittleren Spur gediegen in die scheinbar niemals endend dunkle Straße eintauchen zu können. Die EP veröffentlichte er noch unter seinem alten Alias Simon Slowkiss. Die erste öffentliche Zusammenarbeit mit Mary (damals noch bei Dat Adam) entsteht auf „Alleine“. Schon dort ist sein Faible für musikalische Umbrüche zu erkennen. So gleitet der Song von einem vollgepackten Mainpart in ein alternatives E-Gitarren Solo und endet in einem minimalisierten gefühlvollen Endpart. Mit dem Track kreierte er eine Hymne an das sich alleine fühlen und singt von negativen Gedankenspiralen.

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Wavvyboi & Mary

https://www.instagram.com/p/BmL2LnuFaTN/

Vor knapp zwei Wochen veröffentlichte Wavvyboi auf dem neu gegründeten Kollektiv „CYBER- GEN“ seine aktuelle Single „Blister“. Der von Mary produzierte Beat klingt melancholisch kalt. Ersingt von einer verflossenen Liebe und klammert sich krampfhaft an alte Erinnerungen. Es geht um die Betäubung der eigenen Gefühle durch Medikamente und der vermeintlichen Erkenntnis, dass alles keinen Sinn ergebe. Untermalt wird dieses durch das in Eigenregie produzierte Video, welches größtenteils im Zimmer des Liechtensteiners aufgenommen wurde. Es visualisiert die beklemmenden Gefühle des Songs.

Wavvybois Texte klingen verletzlich. Er singt von Ängsten, der Liebe oder dem Scheitern. Der Liechtensteiner flieht aus der Gegenwart und stellt sich seinen Gefühlen. Dabei verpackt er seine innerliche Zerrissenheit in Melodien und lässt die Zuhörer in seine eigene RnB Klangwelt eintauchen. Aber Wavvyboi nur in die „RnB Schublade“ zu stecken wäre falsch, denn seine Musik geht darüber hinaus. So haben seine Songs alternativen Einfluss und durchdringen das veraltete Genredenken. Der 20-jährige verpasst seinen Gefühlen ein eigen klingendes musikalisches Gewand. Der Junge mit den lackierten Fingernägeln, den langen blonden Haaren und dem verträumten Blick könnte schon bald ganz groß rauskommen.

Wavvyboi – Blister

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Wavvyboi – Alleine

https://youtu.be/dOeURUWyhR8