DIFFUS

What’s Poppin? Das Doja Cat-Phänomen & Soundcloud-Nostalgie mit Lil Uzi Vert

Posted in: What's Poppin?

Central Cee – Doja

Der Rap-Kosmos hat, so scheint es zumindest manchmal, einen kollektiven Crush auf Doja Cat. Jack Harlow ist ja sowieso als schelmischer Charmeur vor dem Herrn bekannt und hat so auch schon Doja Cat in diversen Livestreams angeflirtet, während $not und A$AP Rocky der Musikerin sogar einen eigenen Song gewidmet haben – leider mit ziemlich miesen misogynen Lines. Nun zieht auch der Londoner Central Cee nach und droppt seine Single „Doja“, die schon seit längerem TikTok-Fame genießt. Die Hommage gelingt dem britischen Rapper zumindest ein bisschen eleganter als seinen US-Kollegen und ist so verschnörkelt getextet, dass man ihm kaum böse sein kann: „Somebody tell Doja Cat / That I’m tryna indulge in that / In my grey tracksuit, see the bulge in that“. Die Bilder, die diese Line auslöst, wird man so schnell nicht mehr los, aber auch der Rest des Songs ist clever geschrieben und trägt zur aktuellen Viralität bei: „How can I be homophobic? My bitch is gay / Hit man in the top, try see a man topless, even the stick is gay / Huggin’ my bruddas and say that I love them but I don’t swing that way / The mandem celebrate Eid, the trap still runnin‘ on Christmas day“. Das farbenfrohe Video stammt übrigens von Lyrical Lemonade – meines Wissens nach die erste Trans-atlantische Kollaboration von Cole Benett und ein weiterer Beweis dafür, wie sehr britischer Drill den internationalen Hip-Hop in letzter Zeit dominiert. 

Hier wäre eigentlich etwas eingebettet. Du hast aber Embed und Tracking deaktiviert. Jetzt aktivieren.

Lil Uzi Vert – Red & White (EP)

Erst kürzlich hat Yannick in unserem DIFFUS News Podcast (klare Empfehlung an der Stelle) über Lil Uzi Vert gesprochen, welche:r via Instagram eine Änderung der Pronomen zu „they/them“ bekanntgegeben hat. Das macht die Berichterstattung im Deutschen leider etwas schwierig, aber ich werde mich bemühen. Nachdem der Artist zuletzt auf dem Produzentenalbum „I know Nigo“ von BAPE-Gründer Nigo gefeatured war, folgt nun ein neuer eigener Release – der erste nach dem zugegeben sehr umfangreichen „Eternal Atake“ und dem Kollaboalbum mit Future. Die neue EP heißt „Red & White“ und stellt auf neun Tracks so etwas wie eine Zeitreise in die Golden Days der Soundcloud-Ära dar. Heißt: Flippig-verspielte Produktion von OG-Uzi-Kollaborateuren wie Sonny Digital und Maaly Raw, mehr oder weniger harmonische Auto-Tune-Vocals und schwammige Songstrukturen. In mir steigt da eine herrliche Nostalgie hoch, Erinnerungen an Zeiten, in denen es noch kein „XO Tour Llif3“ gab und Uzi (zumindest in meinem 4000-Seelen-Kaff) mein ganz persönliches Geheimnis war.

Hier wäre eigentlich etwas eingebettet. Du hast aber Embed und Tracking deaktiviert. Jetzt aktivieren.

Rico Nasty – Las Ruinas (Album)

Wer diese Kolumne aufmerksam verfolgt, wurde in den vergangenen Wochen bereits behutsam auf das neue Album von Rico Nasty vorbereitet. So weit zumindest, wie man bei dieser Künstlerin von „behutsam“ sprechen kann. „Las Ruinas“ ist eine einzige Explosion von schrillen Sounds, Noise-Experimenten und gekonnter Weirdness. Klar, da sind auch Pop-Momente wie „Focus On Me“ oder „One On 5“ dabei, aber am meisten zündet die Rapperin einfach wenn sie das Mainstream-Korsett sprengt und ihr eigenes Ding macht. Das gelingt ausgerechnet mit Radio-Produzent Marshmello und dem gemeinsamen DnB-Brecher „Watch Your Man“, ebenso mit „Gotsta Get Paid“, das uns mit seinen jaulenden Synths schon jetzt die Brockhampton-Boys vermissen lässt. Trotzdem ist „Las Ruinas“ laut eigener Aussage Ricos persönlichstem und verletzlichstes Album, was sich vor allem im letzten Drittel der Platte zeigt. „Into The Dark“ mischt Grunge- mit Jungle-Elementen und „Easy“ ist ein reduzierte Gitarrenballade, bei der Rico alle Hüllen fallen lässt: „Mess up my make-up, so my fans don’t think I was crying before I got on stage“.

Anzeige

Hier wäre eigentlich etwas eingebettet. Du hast aber Embed und Tracking deaktiviert. Jetzt aktivieren.

Jae5 feat. Dave & BNXN – Propeller

In unserem Videointerview hat Rapper ArrDee aus Manchester kürzlich berichtet, dass Afro-Swing und Afrobeat wohl das nächste große Ding im UK-Rap wird beziehungsweise schon ist. Einen großen Anteil an dieser Entwicklung hat der britisch-ghanaische Produzent Jae5, der mit seinem sommerlichen Sound bereits Größen wie J Hus, Dave, Skepta oder Burna Boy ausgestattet hat. Dabei tritt Jae5 auch vermehrt mit eigenen Singles in Erscheinung und hat so kürzlich den Song „Propeller“ veröffentlicht. Mit von der Partie ist hier Dave, für den der Produzent bereits Hits wie „Location“ und „Disaster“ gebastelt hat, sowie BNXN, von dem auch das melodische Producer Tag vor jedem Jae5-Song stammt. Gemeinsam liefert das Trio eine sonnengetränkte Tune und das passende Musikvideo mit Aufnahmen aus Afrika. Bleibt nur eine Frage der Zeit, bis diese Afrobeat-Welle auch hierzulande angerollte kommt – vereinzelte Gischtspritzer wie den neuen Pajel-Song „Gemischte Feelings“ bekommt man ja schon jetzt ab.

Hier wäre eigentlich etwas eingebettet. Du hast aber Embed und Tracking deaktiviert. Jetzt aktivieren.

Tobe Nwigwe – moMINTS (EP)

Hinten raus wird es in dieser Woche etwas alternativer und zwar mit der neuen EP von Tobe Nwigwe. Der Rapper aus Alief, Texas hat laut Spotify-Bio mit seinem Schaffen vor allem eine Mission: „To make purpose popular“. Zu diesem ganz eigenen „purpose“ hat der Künstler gefunden, nachdem eine Fußverletzung seiner Football-Karriere ein plötzliches Ende setzte. Gut für die Musik-Welt, denn die bereicherte Tobe seitdem, oft auch gemeinsam mit seiner Frau Fat Nwigwe, um experimentellen Hip-Hop. In diese Sparte fällt auch sein kürzliche Veröffentlichung „moMINTS“, die auf vier Songs einen guten Überblick über seine Range bietet. Mit „Round Here (Part One)“ läuft Tobe als Heavy-Weight in den Boxring, zumindest klingt das ganze so. „Part Two“ ergänzt den selben Song um eine weitere Strophe und eine Interpretation von seiner Ehefrau. Die wirkt auch auf dem folgenden „Been Broke“ mit, auf dem außerdem mit 2 Chainz und Chamillionaire zwei echte OGs am Start sind. „Been Broke“ ist wohl der zugänglichste Happen der EP, ganz im Gegenteil zum Close „Destruction“. Hier tut sich Tobe mit der Rap-Crew Coast Contra zusammen um ein ständig transformierendes Instrumental zu zerlegen – mit so vielen Flows, Sound-Elementen und sogar verschiedenen Sprachen, das man sich danach erstmal eine Ibu 800 genehmigen möchte. 

Hier wäre eigentlich etwas eingebettet. Du hast aber Embed und Tracking deaktiviert. Jetzt aktivieren.

Wiz Khalifa – Multiverse (Album)

Last but not least ein kleiner Verweis auf Wiz Khalifa. Zugegeben, Künstler:innen aus seinem Kaliber werden bei „What’s Poppin?“ zugunsten aktueller Newcomer:innen gerne mal vernachlässigt. Aber auch unabhängig von meinem persönlichen Geschmack, habe ich den Eindruck, dass die Hip-Hop-Szene nicht mehr so sehr am Taylor-Gang-Chef interessiert ist, wie noch vor ein paar Jahren. Trotzdem sei hier gesagt: Das neue Album „Multiverse“ kann was. Der Sound fällt hier überraschend entspannt und stellt Wiz’ Stimme in den Vordergrund. Das kann auch nach hinten los gehen, denn so richtig zum Singen gemacht oder darin geschult ist diese halt auch nicht. Aber wenn Wiz Khalifa dir einen 8-Minuten-Track namens „We Don’t Go Out To Nightclubs Anymore/Candlelight Girl“ mit drei-minütigem Instrumental-Intro abliefert, kommt das einfach urig-sympathisch, ein bisschen als ob Opa heute ganz crazy drauf wäre und sich doch mal ein paar Sneaker gekauft hätte. Aber mal Spaß beiseite: Auf „Multiverse“ klingt eine gereifte Version von Wiz Khalifa durch, der man auf Songs wie „1000 Women“ gespannt beim reflektierten Laut-Denken zuhört.

Hier wäre eigentlich etwas eingebettet. Du hast aber Embed und Tracking deaktiviert. Jetzt aktivieren.