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What’s Poppin? Drake ruft auf den Dancefloor – und keiner kommt mit?

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Drake – Honestly, Nevermind (Album)

In der Nacht vom Donnerstag auf den Freitag stand ich in der Schlange vor Soho Banis Releaseparty. Beim standardmäßigen Blick auf Instagram musste ich verdutzt feststellen, dass Drake gerade mit weniger als 12 Stunden Vorlauf ein neues Album angekündigt hatte. Der Champagnepapi steht eben über Begriffen wie Release-Strategie oder PR. Einige Stunden später wachte ich sehr zerknautscht mit Sohos „Inzidance“ im Kopf wieder auf und startete mit Drakes siebtem Studioalbum „Honestly, Nevermind“ in den Freitag.

Und wurde überrascht. „Honestly, Nevermind“ hat bis auf 21 Savage keine Features, beinahe genau so wenig Rap-Parts und dafür umso mehr R&B- und House-Einflüsse. Drake ruft seine Hörer:innenschaft auf den Dancefloor, mit gemischten Ergebnissen. Zum einen ist „Honestly, Nevermind“ zwischen seinen pumpenden Electronica-Beats und Drakes Sing-Sang eine ziemlich runde Sache, ein Album, dass klar weiß, wo es hin will. Und manchmal kommt es dort auch an, wie bei dem nervös hämmernden „Sticky“ oder den nostalgischen Dance-Akkorden von „Massive“.

Aber zu oft dümpelt es halt einfach nur rum und man fragt sich, wie auch schon beim Vorgänger „Certified Lover Boy“, wo denn nun Drakes Sinn für virale Hooks geblieben ist. Gerade „Falling Back“, die Videosingle zum Albumrelease, ist einer der gleichförmigsten, unspektakulärsten Drake-Songs seit Jahren – und das ist einfach nur schade. Denn da wäre durchaus mehr drin. An der Produktion haben hier zum Beispiel &Me und Rampa vom Berliner Kollektiv Keine Musik mitgewirkt, die einiges auf dem Kasten haben. Drake kratzt also nicht nur an der Oberfläche der elektronischen Tanzmusik sondern scheint ein ernsthaftes Interesse mitzubringen – aber so ganz will das einfach nicht mit seiner eigenen Musik zusammen gehen.

Im Web wird das Album schon jetzt als großer Flop verspottet, aber vielleicht hat Drake auch den längeren Atem und beweist sich wie so oft als großer Trendsetter. Er selbst scheint davon auf jeden Fall überzeugt zu sein: „It’s all good if you don’t get it yet. […] We wait for you to catch up.“ 

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Die XXL Freshman Class 2022 wurde enthüllt

Drake ist also guter Dinge, dass seine R&B-House der Sound der Zukunft wird. Dabei ist er nicht der einzige mit entsprechenden Visionen. Wegweisende Musik ist auch jedes Jahr aufs Neue das brisante Stichwort, wenn es um die XXL Freshman Class geht, die dieser Tage bekannt gegeben wurde. Von vielen verhasst und trotzdem jedes Mal heiß diskutiert, stellt hier das XXL Magazin die vielversprechendsten Newcomer des aktuellen Jahres vor. In Folge können diese dann Seite an Seite in den XXL Cyphers ihren Style und ihr Können unter Beweis stellen.

2022 hat das Magazin wenige Abenteuer gewagt, trotzdem ist die Auswahl durchaus solide. Big30 und Big Scarr bringen den kalten Straßenrap aus Memphis und treten damit in die Fußstapfen von Pooh Shiesty aus dem letzten Jahr. Beide sind allerdings in ihrem Style recht nah beieinander – vielleicht hätte hier auch einer gereicht.  SoFaygo, Cochise und KayCyy repräsentieren den futuristischen Rage-Sound, während mit Babyface Ray und Babytron auch zwei Vertreter aus Flint am Start sind. Doechii wurde bereits von Isiah Rashad gefeatured und hat kürzlich mit ihrem Banger „Crazy“ die ein oder andere Kinnlade nach unten befördert. Kali und KenTheMan gehen Kopf an Kopf als selbstbewusste Rap-Diven ins Rennen, Saucy Santana ist sich nie zu schade für ein Augenzwinkern, Nardo Wick dagegen versteht gar nichts von Spaß, dafür aber von Opps und Waffen.

Natürlich wird hier jede:r den ein oder anderen persönlichen Favoriten vermissen. Trotzdem muss man XXL lassen, dass die diesjährige Liste sich sehen lassen kann. Jetzt gilt es nur noch auf die Freestyle Cyphers zu warten – und zu hoffen, dass Cringe und Begeisterung die Waage halten, wenn es dann soweit ist.

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Rico Nasty – Black Punk

Rico Nasty hat sich längst als gern gesehene Protagonistin in diesem Format etabliert. Zuletzt hatte ich euch „Vaderz“, ihre moshpit-taugliche Collab mit Bktherula vorgestellt. Nun folgt der neue Song „Black Punk“ und hier kann man guten Gewissens sagen: Dem Titel wird Rico hier mehr als gerecht. Dissonante E-Gitarren treffen auf entfremdete Glitch-Sounds und einen metallischen Beat, auf dem Rico Nasty rappt, schreit, knurrt, alles gibt. Die neue Single ist klar im Rap verankert, trotzdem beweist Rico wieder einmal, dass sie die Essenz von Genres wie Punk und Metal genau so aufgesogen und verstanden hat. Ihr neues Album „Las Ruinas“ soll übrigens genau heute in einem Monat erscheinen.

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Headie One x Luciano – Cloud

Erst kürzlich ging es hier um die europäische Drill-Szene, die immer enger zusammen wächst und regelmäßig Kollaborationen zwischen Rappern aus verschiedenen Ländern hervorbringt. Damals hatte Headie One gerade eine neue Single mit dem Franzosen Gazo heraus gebracht. Nun folgt der nächste Song und zwar mit Deutschlands einzig wahrem Drill-Minister: Luciano. „Cloud“ markiert dabei längst nicht die erste Zusammenarbeit der beiden Rapper. Zuletzt lieferten beiden jeweils einen Part für den Remix zu Pajels „10von10“, außerdem fand Luciano schon auf dem „Ain’t it different“-Remix einen Platz und hatte sich Headie One schonmal auf sein letztes Album „Aqua“ geholt.

Man kann hier also schon fast von einem eingespielten Team sprechen und das bewährt sich mit der neuen Single. Lucio Loco und Headie liefern sich Back-To-Back-Flows über ein minimalistisches Drill-Brett. Da gibt es viele Zeilen, die man hier zitieren könnte, aber mein Highlight bleibt dann doch der Moment, in dem sich Headie One als Sam Fender-Fan outet: „I know you rap, but was you out doin‘ drills before the genre? / In the cold sales on the Bailey / I was seventeen goin‘ under / Feelin’ like Sam Fender“. Von diesem Name-Dropping erwarte ich mir mindestens ein Feature zwischen den beiden, wenn nicht gleich ein Kollabo-Album.

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Brockhampton – Hollywood Swinging

Autsch. Der tat weh. Da sind Brockhampton doch so nah dran, mit einem makellosen Erbe aus dem Rap-Game zu scheiden und dann kommt so etwas. Gegenüber Songs für Kino-Soundtracks habe ich sowieso schon eine gewissen Skepsis. Zu oft klingt das einfach wie die immer gleiche Fast & Furious-Action-Sequenz. Wenn der Film, um den es sich handelt dann auch noch „Minions: The Rise of Gru“ ist, schrillen bei mir vollends alle Alarmglocken.

Aber ich möchte hier auch griesgrämig jammern, die gelben Zyklopen sind ja irgendwie auch ein gutes Match mit dem lebendigen, jugendlichen Style von Brockhampton. Gemeinsame Schnittstellen gibt es also, trotzdem ist der fertige Song irgendwie.. unfertig? Halbherzig? „Hollywood Swinging“ ist ein Cover des gleichnamigen Klassikers von Kool & The Gang – der es an dieser Stelle auf jeden Fall auch getan hätte. Brockhampton ergänzen den legendären Funk-Groove um einige psychedelische Improvisationen und einen halben Part – und dann war’s das auch schon wieder. Für Amerikas liebste Boyband nicht gerade eine Glanzleistung, aber vielleicht heben sich die Jungs ihren großen Knall ja für das kommende letzte Album auf.

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Jeleel! feat. Mike Dimes – Clubhouse

In den letzten Monaten hat uns an der Grenze zwischen Hyperpop und Rage Rap vor allem einer auf Trab gehalten: Jeleel! Dabei ist der Typ ganz zurecht ein virales TikTok-Wunder: Ein muskelbepackter Hüne mit der Stimme eines Autotune-Engels? Gekauft! Jeleels Erscheinung fällt in jedem noch so überfluteten Feed auf und fasziniert – seinen Hit „Dive In“ wurde so auf Spotify schon über 45 Millionen mal gestreamed. Obwohl der Rapper nicht gerade für entspannte Easy-Listening-Musik bekannt ist, schaltet er für seine neueste Single „Clubhouse“ ein wenig zurück. Mit Unterstützung von Mike Dimes schmeißt Jeleel! eine House-Party und rappt locker über einen wuchtigen Beat, der ständig hin und her glitcht. Hyperpop-Ultras ist das vielleicht sogar fast eine Spur zu konventionell, alle die eher im Rap beheimatet sind, dürften hier aber auf ihre Kosten kommen.

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