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What’s Poppin? Jersey Club, „hugo“ und die geheime Albumankündigung

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Drake und 21 Savage mit einer etwas andere Albumankündigung

Eine klassische Albumankündigung besteht dieser Tage aus zwei grundlegenden Schritten: 1. Man entferne jegliche Inhalte von seinem Instagramprofil (Oh nein, was hat das wohl zu bedeuten??) 2. und kehre dann glorreich mit wahlweise einem Snippet, Videoteaser oder einfach einem Post mit dem Albumcover zurück. Oder aber man geht die Sache etwas kreativer an – siehe Drake und 21 Savage. Am Samstag veröffentlichten die beiden befreundeten Rapper ihr Musikvideo zum gemeinsamen Song „Jimmy Cooks“, einer der Fan-Favoriten auf Drizzys letztem Album „Honestly, Nevermind“.

Für ca. eineinhalb Minuten spittet Drake hier seinen Part vor einer riesigen Leinwand, im Hintergrund nickt 21 Savage zustimmend mit dem Kopf. Und kurz bevor dann sein eigener Part kommen sollte, gibt es eine Überraschung: Der Beat driftet in ein anderes Instrumental, die Kamera zoomt raus und in großen Lettern erscheint ein Schriftzug. „Her Loss. Album by Drake and 21 Savage. October 28, 2022“. Der Titel ist mindestens genau so zickig wie der des Vorgängers, aber ein Kollabo-Projekt zwischen zwei Rappern dieser Größenordnung so unterschwellig im Musikvideo anzukündigen, hat irgendwie Stil. Genauso übrigens auch das melancholische Instrumental, das währenddessen erklingt und hoffentlich Hinweise auf den Sound von „Her Loss“ gibt. Die Wartezeit fällt diesmal sowieso kurz aus: Schon am kommenden Freitag soll das Album erscheinen und den Sound aus Toronto und Atlanta vereinen.

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SoFaygo feat. Ken Carson – Hell Yeah

2020 veröffentlichte Travis Scott im Zuge seiner Label-Compilation „Jackboys“ einen Song mit einem hühnenhaften Typ mit tiefer Stimme aus dem Herzen von Brooklyn. Damals hatte die Welt noch nichts von diesem Newcomer namens „Pop Smoke“ gehört, was sich kurz darauf schlagartig ändern sollte. Dieses frühe Feature zeigt: Auch wenn er von der Veranstaltungsbranche besser Abstand nehmen sollt, ein Händchen für junges Talent hat Travis Scott, der schließlich seinerzeit von Kanye West entdeckt wurde, allemal. Auf seinem Label Cactus Jack finden sich neben ihm selbst noch Sheck Wes, Don Toliver sowie seit kurzem auch SoFaygo.

Auf letzteren führen hart gesottene Fans das Rezept für den euphorischen „Rage Rap“ zurück, auch wenn die breite Masse die Pionierleistung hier bei Trippie Redd sieht. Aktuell wärmt sich SoFaygo für den Release seines Debütalbums „Pink Heartz“ auf, zuletzt mit der Single „Hell Yeah“. Hier trifft der Cactus Jack-Sprössling auf Ken Carson, das erste und einzige Signing von Playboi Cartis Opium-Label. Die beiden Newcomer passen hervorragend zusammen und liefern zusammen einen Rage Rap-Banger, der auch auf dem nächsten  Splash! Festival für den ein oder anderen Moshpit sorgen wird, nachdem SoFaygo dort schon im vergangenen Sommer abgerissen hat.

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Loyle Carner – hugo (Album)

Loyle Carner ist einer, bei dem Leute im YouTube-Kosmos der 2010er Jahre so was wie „Endlich mal jemand der nicht meine Mutter ficken will“ kommentiert hätten. Ja, die Denke war damals ziemlich platt und schwarz-weiß-gefärbt, aber im Grunde bringt das die Sache mit Loyle Carner auf den Punkt: Er ist einer, auf den sich alle einigen können und das vielleicht eben weil er so anders wie der Rest des britischen Rap-Games ist. Auch auf der Höhe des Hypes hat er noch nie einen Drill-Beat angerührt, seine Instrumentals klingen stattdessen nach Oldschool und „24/7 Lo-Fi Beats to study and chill to“. Dabei ist Loyles Musik keineswegs seicht oder Easy-Listening. Sein neues Album „Hugo“ eröffnet er mit dem grimmig-rumpelnden Breakbeat von „Hate“, im Verlauf der Platte verwebt er dann Interludes von Dichter John Agard und Aktivist Athian Akec mit seinem selbst- und weltkritischen Rap. Spannende und wichtige Features, trotzdem sollte man Loyle Carner hier nicht sein Spotlight strittig machen: Er und seine fesselnde Art zu schreiben und zu rappen sind die Hauptattraktion auf dieser Platte. Und nur weil Loyle Carner 808-scheu ist und gerne Soul-Platten sampelt, heißt das nicht, dass man dem Typen nicht zuhören sollte. 

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Duckwrth – Chrome Bull (EP)

Bisher kannte ich Duckwrth für wohling warmen, groovenden, aber auch anspruchsvollen Hip-Hop, wie man ihn sonst von Acts wie Earthgang, Smino oder Saba kennt. Zunehmend zeigt der aufstrebende Rapper aus Los Angeles allerdings auch ganz andere Facetten. So ist sein neues Mini-Album „Chrome Bull“ von der Welt der elektronischen Tanzmusik mindestens genau so inspiriert wie vom Rap. Vor allem der smoothe R&B-trifft-House-trifft-Funk von Kaytranada kommt mir da in den Sinn, wenn ich Stücke wie das aalglatte „Sneaky“ oder „Ce Soir“ mit The Internet-Sängerin Syd höre. Mit „Beg“ und „Pray“ wird dann noch kurz der 2-Step-Sound abgefrühstückt, bevor die acht Tracks starke EP schließlich mit dem vielleicht stärksten Song „Power Power“ endet.

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Lil Uzi Vert – Just wanna rock

Auf dem aktuellen Drake-Album „Honestly, Nevermind“, das ja eh schon mit gemischten Gefühlen in der Fan-Gemeinde aufgenommen wurde, gibt es einen Song, der für viele einem „What The Fuck?“-Moment gleichkommt: „Currents“. Der Grund dafür ist recht offensichtlich: Grundlegendes Element für den Beat ist hier ein rhytmisches Quietschen, das klingt..als ob jemand vor dem Vögeln das Ikea-Bett nur halb zusammen gebaut hätte. Für Außenstehende wirkt dieses Sample verständlicherweise deplatziert, tatsächlich ist es der „Squeaky Bed“-Sound aber, genau wie der Rhythmus von „Currents“, dem Jersey Club-Sound entlehnt.

Dieses Subgenre stammt, wie sollte es auch anders sein, aus New Jersey, wo DJs vor allem in den frühen 2000ern House und Hip-Hop skrupellos aufeinanderprallen ließen. Die daraus entstandene Mischung scheint es nun auch Lil Uzi Vert angetan zu haben. Die neue Single „Just wanna rock“ ist nicht viel mehr, als was ihr Titel verrät, eine vage, aber atmosphärische Skizze. Richtige Parts oder eine Hook gibt es nicht so wirklich, stattdessen nimmt das Instrumental mit seinen monumentalen Synthesizern und der ausgeflippten Jersey-Percussion einen großen Teil ein, an dem sich Lil Uzi Vert mit animalischen Adlibs entlang hangelt. Drake wird an vielen Stellen immerwieder als „Culture Vulture“ kritisiert, aber als Geier weiß er eben auch, wo es den besten Fraß zu holen gibt – momentan scheinbar in New Jersey.

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Armani White – The Liz 2 (Album)

Rapperin Armani Caesar trägt als Singning bei Griselda Records dazu bei, den angriffslustigen Boom-Bap-Sound der Ostküste auch 2022 weiterhin hochzuhalten und zu modernisieren. Dafür mischt sie, ähnlich wie ihre Griselda-Kollegen Benny the Butcher, Westside Gunn oder Boldy James, Trap-Attitüde mit cleveren Bars, Oldschool-Samples mit Laid-Back-Flows – die perfekte Symbiose aus Alt und Neu. Mit dieses Soundgemisch hat Armani Caesar nun ihr neues Album „The Liz 2“ gefüllt und sogar einen Feature-Gast begeistert, der mit Beats jenseits der 808 sonst wenig zu tun hat. Kodak Black ist eher als kontroverser New-Wave-Messias sowie On-Off-Knasti bekannt, hier berappt er gemeinsam mit Armani Caesar auf dem Song „Diana“ einen minimalistischen Sample-Beat. Der Ausflug in das Griselda-Universum tut dem Trapper aus Florida erstaunlich gut und resultiert in einem Highlight der neuen Platte.

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