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What’s Poppin? Mr. Police, how are you?

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IDK veröffentlicht einen Song über Polizeischikane

Seit es die durchaus wichtige Institution der Polizei gibt, gibt es auch Szenarien, in denen die Exekutive ihre Macht missbraucht. Das liegt an vielen strukturellen Problemen, die besonders in den USA immer wieder für Schlagzeilen über Polizeigewalt sorgen, insbesondere gegenüber der BPOC-Community. Diese Thematik führt natürlich auch gesellschaftlich und kulturell zu Reaktionen, unter anderem in Form von zahlreichen Songs – wie zuletzt von IDK mit „Mr. Police“.

Seinen Frust lässt der Rapper hier erstaunlich melodiös und sanft ab und singt begleitet von butterweichen Rhodes-Pianos. Trotzdem haben seine Worte einiges an Sprengkraft: „Mr. Police, how are you? / Just like your clothes, you make me blue / I look both ways, I cross the street / There was no one around, how did you see me?” Das Video dazu ist denkbar simpel gehalten, fesselt aber ungemein, denn wir sehen die Problematik aus der POV-Perspektive der Polizeibeamten. Neben einigen gewalttätigen Auseinandersetzungen sind es da vor allem kleine Sprüche und Schikanen, die für ein ungutes Gefühl im Bauch sorgen und zeigen, dass wir noch ein weiten Weg vor uns haben. 

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Rico Nasty x 100 gecs

Rico Nasty macht, gelinde gesagt, sehr extreme Musik. Die Songs der Rapperin aus Maryland sind schrill, explosiv, nasty eben. Seit ihren Anfängen in der florierenden Soundcloud-Szene der späten 2010er hat sie dabei kritzelige eigene Handschrift entwickelt, die sie sogar schon auf hiesige Bühnen wie beim Splash! befördert hat. Aber wie setzt man nochmal einen drauf, wenn man schon jeden Moshpit abgerissen hat? Ganz einfach: Man kollaboriert mit 100 gecs.

Das Hyerpop-Duo aus Dylan Brady und Laura Les steckt hinter der Produktion von Ricos neuester Single „Turn It Up“ und beweist dabei, dass weniger manchmal mehr ist. Viel mehr als der tickende Hi-Hat-Herzschlag und bis ins Nirvana verzerrte 808s gehört gar nicht ins Rezept für die neue Single, denn Rico Nasty ist schon Main Character genug. Sie ätzt und faucht und spuckt mit einer Energie, die immer wieder aufs Neue beeindruckt und das einhält, was der Titel schon verspricht: „Turn It Up“!

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Redveil spielt mit dem Feuer

Als Redveil 2020 sein Album „Niagara“ veröffentlicht, sind sich Kritiker:innen einig: Der Junge hat Potenzial. Der Newcomer aus Maryland ist damals erst 16 Jahre alt, rappt und produziert aber schon auf einem Level, das an Earl Sweatshirt, Billy Woods und anderen, älteren Kollegen kratzt. Seitdem ist Redveils Sound zwischen abstraktem Hip-Hop, Gospel und Soul nur weiter gereift. Vor kurzem hat er nun, wenige Tage vor seinem 19. Geburtstag, seine neueste EP „Playing With Fire“ veröffentlicht. Sechs Songs, die einen weiteren Meilenstein in seinem Wachstum darstellen und dabei auf ganzer Länger überzeugen.

Auf dem Opener „Stuck“ klingt Redveil triumphal und glorreich, „Giftbag“ und „Captain“ haben dann fast schon Pop-Potenzial, aber das Herzstück der EP ist wohl eindeutig „Black Enuff“ mit Featuregast JPEGMAFIA. Ein experimentelles Chaos aus dissonantem Getröte und Getrommel, das die beiden Rapper nur schreiend übertönen können, während sie ihrem Ärger Luft machen: „Who told that black boy had to hate himself? / Who told my sister she ain’t worth a cent? / Grin on my face from watching crackers melt“.

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Latto im Angriffsmodus

Latto meldet sich zurück, und zwar mit voller Wucht. Zuletzt hatte die Rapper aus Ohio, die ihr vielleicht noch unter dem Namen Mulatto kennt, im Februar ihre Single „Lottery“ veröffentlicht. Klang dieser Song noch nach zuckerschock-süßem Disco-Rap, so fährt Latto mit „Put It On Da Floor“ nun wieder härtere Geschütze auf, die ihr meiner Meinung nach sowieso sehr gut stehen. Das Internet vermutet hinter den energischen Ansagen einen Diss gegen Nicki Minaj, die Latto auch bei ihrem Coachella-Auftritt adressierte. Dass Latto genau dieses Ausschnitt des Live-Streams nun vor ihr neues Musikvideo stellt, bestätigt diese Gerüchte wohl zusätzlich, mir ist das Hin-und-her-Gefronte aber ehrlich gesagt ziemlich egal. Für mich ist „Put It On Da Floor“ vor allem ein unterhaltsamer Trap-Banger, Südstaaten-Rap at it’s finest, mit Zutaten, die man so vielleicht bereits kennt, aber eben nur, weil sie sehr gut zusammen passen.

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Belly lebt den arabischen Traum

Belly kann Streams in Millionenhöhe sein eigen nennen, trotzdem habe ich immer wieder das Gefühl, dass seine Musik und überhaupt sein Dasein vor allem hierzulande völlig unter dem Radar laufen. Schon seit 2007 veröffentlicht der palästinensisch-kanadische Rapper konsequent Musik, seit 2015 sogar als Signing bei Jay-Zs Roc Nation. Außerdem ist Belly Teil von The Weekends XO-Clique und hat an vielen Stücken des Sängers mitgewirkt. Parallel dazu hat er seinen eigenen Trap-Sound geschliffen, der zwar zeitgenössisch daherkommt, aber trotzdem ein solides Songwriting und Gespür für Bars mitbringt.

Nachdem Belly 2021 sein Album „See You Next Wednesday“ veröffentlicht hat und im folgenden Jahr erstmal Funkstille einkehrte, geht es jetzt wohl weiter. Das passende Intro zur neuen Schaffensphase stellt die neue Single „American Nightmare“ dar. Im stylischen Video befindet sich der Rapper auf einem rasanten Heist und spittet dabei über einen mächtigen Beat, der ein wenig an Thuggers „Hot“ erinnert. Inhaltlich klingt ein spannender Kontrast durch: „I’m the Arabian dream, I’m the American nightmare“. Belly hat es aus seiner eigentlich Heimat, dem von Konflikten gebeutelten Palästina, rausgeschafft ins Land der Freiheit und sorgt jetzt hier für Krawall im beschaulichen Ottawa.

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