DIFFUS

What’s Poppin? Neues aus Flatbush & Rap über Hass mit Loyle Carner

Posted in: What's Poppin?

Loyle Carner – Hate

Ich möchte diesmal mit einem Song starten, der schon ein paar Tage länger in meiner Rotation läuft und mich immer wieder flasht: „Hate“, der erste neue Output von Loyle Carner seit 2020. Ein Jahr zuvor veröffentlichte der Rapper aus London sein zweites Album „Not Waving, But Drowning“ und etablierte sich als Aushängeschild des britischen Conscious Rap. Dass Carner sein Handwerk in den zwei Jahren Funkstille nur geschärft hat, beweist nun sein Comeback mit „Hate“, dass erstaunlich geladen und treibend ausfällt.

Kredenzt uns der Rapper üblicherweise souligen Boom-Bap, setzt er hier auf rauschende Breakbeats und nüchterne Ehrlichkeit: „Let me tell you what I hate / Everything I ain’t“. Loyle Carner hat Dinge zu sagen und tut das mit noch mehr Nachdruck, als wir es sowieso schon von ihm gewohnt sind: „They said it was all that you could be if you were black / Playing ball or maybe rap, and they would say it like a fact / So all my people in the back, all the nurses in the front / All my teachers, where you at?“. In einem Interview mit dem BBC sagt Carner über den Song, dass er in einer Zeit entstanden ist, in der er erwogen hat, nie wieder Musik zu machen. Ein Glück, dass es anders gekommen ist und Loyle seine Zweifel und Ängst in Worte gefasst hat, statt ihnen nachzugeben.

Hier wäre eigentlich etwas eingebettet. Du hast aber Embed und Tracking deaktiviert. Jetzt aktivieren.

Paris Texas feat. Cryogeyser – Cyanide

Viele Rapper:innen legen aktuell eine auffällige Begeisterung für Gitarren-basierte Musik an den Tag. Diese Entwicklung, die vielleicht schon auf Lil Peep zurückgeht, hat uns inzwischen einiges an künstlich-gesüßtem Pop-Punk-Rap von Künstlern wie Machine Gun Kelly oder iann Dior beschert. Aber auch am anderen Ende des Spektrums rumort es unter der Oberfläche. Darf ich vorstellen? Paris Texas. Gemeint ist dabei natürlich nicht der berühmte Roadmovie von Wim Wenders, sondern das gleichnamige Rap-Duo aus South Central, Los Angeles. Produzent Louis Pastel und Rapper Felix haben sich auf dem College kennengelernt und machen seitdem gemeinsam Musik, die ihre Ecken und Kanten zu keinem Zeitpunkt versteckt. So auch bei der neueste Single „Cyanide“. Hartes Getrommel, knirschende Gitarren, King Krule, aber mit Rap, $NOT, aber mit Punk. Ein Augenschmaus ist dabei auch wie immer das Video, um das ihr allerdings einen Bogen machen solltet, wenn ihr ein Problem mit in Köpfen steckenden Pfeilen habt!

Hier wäre eigentlich etwas eingebettet. Du hast aber Embed und Tracking deaktiviert. Jetzt aktivieren.

Burna Boy – Love, Damini

Burna Boy ist eine absolute Afrobeat-Instanz und wohl hauptverantwortlich dafür, dass das Genre in den letzten Jahren zunehmend auch in Europa und Amerika Anklang findet. Nun hat der Sänger und Rapper aus Nigeria sein neuestes Album „Love, Damini“ veröffentlicht und arbeitet darauf mit dem Who’s Who der internationalen Pop- und Hip-Hop-Landschaft. Mit J Hus, Popcaan und J Balvin sind Rap-Größen aus UK, Jamaika und Kolumbien am Start, langjährige Kollaborateure wie Ed Sheeran dürfen natürlich auch nicht fehlen. Gemeinsam entsteht ein regelrechtes Sommer-Mixtape, das sonnendurchflutete Stücke für den Badesee, aber auch tanzbare Rhythmen für die Party und zarte Momente für die etwaigen Sinnlichkeiten danach mitbringt.

Anzeige

Hier wäre eigentlich etwas eingebettet. Du hast aber Embed und Tracking deaktiviert. Jetzt aktivieren.

Meechy Darko – Get Lit Or Die Tryin‘

Neues aus Flatbush, New York. Das dort ansäßige Rap-Trio Flatbush Zombies trägt seinen Stadtteil und eine gewisse Begeisterung für das Morbide schon stolz im Namen und hat den langgezogenen Übergang von Boom-Bap zu Trap in den 2010ern stimmig begleitet. Nun macht sich mit Meechy Darko ein Drittel der Formation auf den Weg zum Solo-Projekt. „Gothic Luxury“ soll dieses heißen und ist maßgeblich geprägt vom Tod seines Vaters, der 2020 in Miami von einem Polizisten erschossen wurde. Nach „Kill Us All“ ist mit „Get Lit Or Die Tryin’“ nun kürzlich die zweite Single erschienen, die für alle Flatbush-Fans ein wohliges Homecoming bedeuten dürfte.

Der neue Song klingt, wie gewohnt, obskur und psychedelisch, wie gemacht, um seine Gliedmaßen im Moshpit zu schütteln. Besonders glänzt Meechy Darko mit seinem ungewöhnlichen, lebendigen Stimmeinsatz, der über die Jahre zu seinem Markenzeichen geworden ist und auch hier herrlich zu seiner grimmigen Ignoranz passt: „Girl, I ain’t just anybody, 12 o’clock on Kawasakis / Usually I’m drunk, fucked up, off that Henny probably“.

Hier wäre eigentlich etwas eingebettet. Du hast aber Embed und Tracking deaktiviert. Jetzt aktivieren.

Latto – Pussy

Wer das letzte „Savage Mode“-Tape von 21 Savage gehört hat, konnte unschwer überhören, dass „Pussy“ hier einen fundamentalen und gerne eingesetzten Baustein im Vokabular des Rappers darstellt. Das hat natürlich Meme-Charakter, reproduziert aber gleich auch fragwürdige misogyne Ausdrücke. Also lieber das Feld räumen für eine, die viel besser weiß, von was sie hier redet: Latto, ehemals Mulatto, hat kürzlich nämlich ihren neuesten Song veröffentlicht und mich mal wieder mit ihren lyrischen Fähigkeiten beeindruckt.

In einem Wohnzimmer voller Katzen (weil wegen „Pussy“, ihr versteht schon) lehnt sich die Rapperin in einen Sample-Beat zurück und kotzt  ab – über Männer und ihre ständigen Einmischungen in das weibliche Geschlecht. Das Wort „Pussy“ fällt dabei nicht weniger oft als bei 21 Savage, aber Latto strotzt dabei von einer selbstbewussten Attitude, die ihresgleichen sucht: „Who is you to bash pussy? Y’all sweet ass, pussy / Tell ‚em how you couldn’t make me climax, pussy / I demand my respect, watch he paint me as crazy / Y’all sexualize lesbians for y’all entertainment / They engage and then gossip live from they mama basement“

Hier wäre eigentlich etwas eingebettet. Du hast aber Embed und Tracking deaktiviert. Jetzt aktivieren.