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What’s Poppin? Straight Outta Bikini Bottom

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Ice Spice verlängert ihren Hype mit Spongebob-Drill

Ice Spice kommt aus der New Yorker Bronx und macht schon seit 2021 Musik. So richtig explodiert der Hype um sie aber erst im letzten August, als Drake ihren Song „Munch“ teilt. Jede Menge Drill, Straßen-Attitüde und Twerken. Vieeeel Twerken. Dazu dann der auffälliger Look mit der roten Haarpracht und der Hype war perfekt. Dass kein Geringerer als Lil Nas X dann noch ein Video davon teilte, wie er sich an Halloween als Ice Spice verkleidet, setzte dem ganzen zusätzlich die Krone auf. Nun muss Ice Spice nachlegen und das tat sie kürzlich mit „Bikini Bottom“. Der Song klingt dabei genau so, wie sich der Titel liest: Ein fetter Drill-Beat trifft auf munteres Unterwasser-Gezupfe, wie frisch aus der Cartoon-Serie mit dem wohl beliebtesten Schwamm der Welt gesampelt! Tatsächlich handelt es sich bei dem Beat allerdings um kein direktes Sample sondern eine Eigenproduktion, funktioniert aber trotzdem bestens. 

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Der Anfang vom Ende

Langsam kann selbst ich als Super-Mega-Hardcore-Stan der ersten Stunde nicht mehr die Augen davor verschließen: Die Ära Brockhampton neigt sich wirklich und wahrhaftig zum Ende. Zum Abschied hat „America’s favorite boyband“ noch ein letztes, finales Album zusammen gebastelt, für das nun mit „Big Pussy“ die erste Single erschien. Waren die Musikvideos unter der Regie von Frontmann Kevin Abstract bisher schon kreative Meisterwerke, so hat die Truppe nun nochmal einen drauf gelegt. Diesmal zeichnet sich Regisseur Alex Huggins verantwortlich, der uns unter wildem Jazz-Getrommel in ein Großstadt-Szenario schickt – vielleicht New York? Wir sehen bizarre Gestalten bei ihren alltäglichen Machenschaften und dazwischen immer wieder Kevin Abstract im knallroten Ferrari, mit hungrigen Flows voll auf der Überholspur.

Tatsächlich bleibt seine Stimme seltsamerweise, die einzige die wir auf „Big Pussy“ zu hören bekommen, stört aber auch nicht weiter, so wie er über den knirschenden Boom-Bap-Beat brettert. Dieser klingt wie ein Mund voll Sand, eine Handshake mit Schleifpapier und vor allem wie „Heat“ – eine zentrale Single für „Saturation“, das erste Album der Band, das 2017 erschien. Fast genau bei der Halbzeit-Marke wird der Beat dann sanfter und souliger, Kanye hätte hier zu „College Dropout“-Zeiten definitiv aufgehorcht. Auch kurz vor dem endgültigen Aus hören Brockhampton nicht auf, sich selbst und ihren Sound neu zu erfinden, eine Eigenschaft, die in der schnelllebigen Musikindustrie längst nicht mehr selbstverständlich ist und die ich schmerzlich vermissen werde.

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„Rich Flex“ und misogyne Kackscheiße

Nach einer Verschiebung um eine Woche war es am vergangenen Freitag endlich soweit: „Her Loss“, das überraschende Kollabo-Album von Drake und 21 Savage ist endlich erschienen. Drakes letzte Kollaboration auf Albumlänge, „What A Time To Be Alive“ mit Future, war seiner Zeit sehr beliebt, seine letzte Platte „Honestly, Nevermind“ wurde dann wiederum eher durchwachsen bei den Fans aufgenommen. Dementsprechend war ich ziemlich gespannt, was „Her Loss“ denn nun zu bieten hat und die Antwort ergibt sich eigentlich direkt mit dem ersten Song: Jede Menge „Rich Flex“. Dabei gehen die Styles der beiden Rapper nahtlos in einander über: Drake rappt immer wieder über düstere Pianobeats à la „Savage Mode“, während sich 21 Savage an Drizzys R&B-Sing-Sang-Rap versucht und mit „3AM on Glenwood“ sogar einen geistigen Nachfolger zu Drake-Songs wie „7am on Bridle Path“ oder „6PM in New York“.

Positiv überrascht hat mich dabei sowohl wie lyrisch 21 Savage sein kann, wenn er will, aber auch wie grimmig-fies Drake nach all den Jahren noch klingen kann. Manchmal driftet das aber auch ins Eklige ab. Auf dem Daft Punk-Sample von „Circo Loco“ rappt der Kanadier: „This bitch lie ‘bout getting shots, but she’s still a stallion“ – eine Anspielung an Megan Thee Stallion, die mutmaßlich von Drakes Buddy Tory Lanez angeschossen wurde. Wäre natürlich nicht das erste Mal, dass Drake misogyne Kackscheiße verzapft, trotzdem sind genau solche Lines der Wermutstropfen auf diesem sonst sehr guten Album.

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Fousheé bringt Flüster-Pop aus dem Deep End

Wenn ich für das kommende Jahr auf eine Newcomerin setzen müsste, stehen die Chancen gut, dass meine Wahl auf Fousheé fallen würde. Erstmals aufmerksam auf ihre Musik wurde ich 2020, als ihr schaurig-schöner Song „Deep End“ durch das Internet wanderte und kurz danach von Drill-Rapper Sleepy Hallow gesampelt wurde. Seitdem findet man Foushées Gastbeiträge überall da, wo es gute Musik gibt: Zum Beispiel auf dem letzten Album von Vince Staples oder auch auf Steve Lacys Erfolgsplatte „Gemini Rights“.

Nun steuert Fousheé selbst auf die Veröffentlichung ihres ersten richtigen Albums „Softcore“ zu und veröffentlichte im Zuge dessen kürzlich die Single „Supernova“. Während der Beat mit seiner quirligen Bassline noch relativ organisch klingt, verleiht Fousheés geflüsterte hohe Stimme dem Song einen Hyperpop-Einschlag, der der R&B-Sängerin ungemein steht. Die passenden Glitch-Aesthetics dazu gibt es übrigens mit dem hervorragenden Musikvideo. Ob das Album dann mehr solcher futuristischer Sounds bereit hält, können wir bisher nur spekulieren, aber eins ist sicher: Konventionell wird „Softcore“ nicht.

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Der Skepta-Effekt

Die Vergangenheit hat gezeigt: Wer Skepta an seiner Seite weiß, dem ist Großes im britischen Rap-Game bestimmt. So war der Grime-OG am Aufstieg von Dave, AJ Tracey, Headie One, Ambush, Nafe Smallz und Lancey Foux beteiligt – und die Liste geht noch endlos weiter. Nun hat Big Smoke einem weiteren aufstrebenden Künstler seine Stimme geliehen und liefert K-Trap einen Part für den Remix seines Songs „Warm“.

Der Track war mit Abstand der erfolgreichste auf seinem Album „Trapo“ aus dem vergangenen Jahr, clever also, hier nochmal nachzulegen und sich das Cosign von Skepta abzuholen. Über den gewohnt finsteren Drill-Beat liefert der Boy Better Know-Chef eine zitierfähige Zeile nach der anderen: „Pull up in four Rolls-Royces, look at them racist faces / I know they can’t stand me, secretly wish they could still hang me, but now they gotta hang me next to the Banksy“. Mit dieser Zeile bezieht sich Skepta übrigens auf das Gemälde „Mama goes to market“, das er selbst gemalt und für beinahe 100,000 Pfund bei dem renommierten Auktionshaus Sotheby’s versteigert hat. 

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