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What’s Poppin? Tory Lanez ist schuldig, Trauer um Gangsta Boo & Based Jazz

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Gangsta Boo im Alter von 43 Jahren verstorben

Das neue Jahr hat kaum begonnen und schon hat die Rap-Welt erste Verlust zu betrauern. Gangsta Boo, ihres Zeichens langjähriges Mitglied der legendären Crew Three 6 Mafia, ist verstorben. Über die Todesursache ist bisher noch nichts bekannt, so oder so scheint ihr Ableben tragisch, vor allem wenn man bedenkt, dass sie nur 43 Jahre alt wurde. Lola Mitchell, wie Gangsta Boo eigentlich heißt, hat neben Juicy J und DJ Paul in den späten 90ern den Memphis- und Phonk-Sound entscheidend geprägt und war damit an der Entstehung einer Rap-Strömung beteiligt, die noch heute munter weiter fließt. Das hat zuletzt Badmómzjay gezeigt, die mit ihrem Song „Yeah Hoe“ eine waschechte Three 6 Mafia-Referenz veröffentlicht hat – Gangsta Boos Pionierarbeit scheint sich also ausgezahlt zu haben.

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Tory Lanez drohen 20 Jahre Gefängnis

Und das war es leider noch nicht mit Bad News, die sich seit der letzten Kolumne zugetragen haben. Wobei man beim Folgenden eigentlich nicht von „News“ sprechen kann: Torey Lanez wurde im Rechtsstreit mit Megan Thee Stallion für schuldig befunden. Kleiner Reminder: Letztere hatte den Rapper aus Toronto beschuldigt, ihr in den Fuß geschossen zu haben. Diese Behauptung wurde lange kontrovers diskutiert, sogar Drake meldete sich zu Wort und stellte sich auf seinem Song „Circo Loco“ in Macker-Solidarität hinter Tory Lanez: „This bitch lie about getting shots, but she still a stallion“. Eine sowieso schon völlig misogyne Line die nun, wo der Vorfall bestätigt wurde und Tory Lanez seine Tat gestanden hat, noch geschmackloser als bei ihrer Veröffentlichung ist.

Aber das Thema ist noch längst nicht durch. Eine ehemalige Freundin von Megan Thee Stallion, Kelsey Harris, hat auf Instagram Bilder geteilt, die vom selben Abend stammen sollen. Darauf sieht man blaue Flecken, Blutergüsse und kahle Stellen an ihrem Kopf, wo Tory Lanez an ihrem Haar gerissen haben soll. Welche Konsequenzen diese neuen Vorwürfe nun mit sich ziehen werden, ist noch unklar, so oder so drohen Tory Lanez bereits über 20 Jahre Haft. Das genaue Strafmaß wird am 27. Januar verkündigt. 

„Theo, wir vermissen dich“

Eine weitere brisante Meldung, die zwischen den Jahren mit Sicherheit bei vielen untergegangen ist: Der Sänger und Rapper Theophilus London wird vermisst. Auch wenn euch der Name im ersten Moment vielleicht nichts sagt, kennen vielen von euch den Musiker sicherlich durch seinen 2012er Hit „Wine & Chocolates“, der sich im Remix von Andhim größter Beliebtheit erfreut hatte. Ich persönlich habe Theophilus London seither immer gerne verfolgt, vor allem sein letztes Album „Bebey“ inklusive einer Featurebandbreite von Tame Imapala über Lil Yachty bis Wu Tang hat es mir sehr angetan.

Dementsprechend haben folgende Worte von Londons Vater bei mir an den Weihnachtsfeiertagen zwischen Festschmaus und Bescherung ein ziemlich ungutes Gefühl ausgelöst: „Wir vermissen dich. Und alle deine Freunde und Verwandten suchen nach dir. Wo immer du bist, sende uns ein Signal.“ Die Familie habe Theophilus London schon seit Monaten nicht mehr gesehen und inzwischen bei der Polizei in Los Angeles eine Vermisstenanzeige aufgegeben. Bleibt nur zu hoffen, dass sich alles zum Guten wendet und Theo in Kürze wieder auftaucht – bitte quicklebendig und unversehrt.

Lil B – Afrikantis (Album)

Auch nach über vierzig Jahren Rap-Geschichte ist und bleibt Lil B eines der größten Mysterien, die dieses Genre zu bieten hat. Unser deutsches Pendant wäre vielleicht Money Boy, aber auch der stoopid fruity Glo Up Gang-General ist nur ein Schatten im Vergleich zu dem erleuchteten Cloud Rap-Weisen Lil B. Denn Brandon Christopher McCartney, wie Lil B eigentlich heißt, macht augenscheinlich immer, wirklich immer, einfach das, wonach ihm gerade der Sinn steht. Im einen Moment können das prägende Mixtape-Meilensteine mit Clams Casino sein, im nächsten ein übermäßig ausgelebter Fußfetisch auf Twitter. Über allem schwebt dabei das positive Mindset: Lil B ist „Based“ und damit ein Vorbild für Cloud Rap-Nachwuchs von LGoony bis Juicy Süß.

Aber der neueste Move des Based God kam dann sogar für mich überraschend: Mit „Afrikantis“ hat Lil B kurz vor Weihnachten kurzerhand ein komplett instrumentales Jazz-Album veröffentlicht. In meinen Laien-Ohren klingt das ganze ziemlich nach Lärm und Chaos, trotzdem komme ich nicht umhin, dieses Level von kindlicher Selbstverwirklichung entgegen jeglicher Erwartungen zu bewundern. „Afrikantis“ kommt übrigens mit folgender Notiz von Lil B: „They Said that no idea is original, that was a lie. Welcome to Afrikantis“.

SL – Prague

Von Lil Bs originellem Jazz-Projekt geht es nun zu etwas konventionelleren Sounds. Der britische Rapper SL befindet sich gerade – zumindest musikalisch – auf einer Städtetour durch Europa und macht nun nach „Berlin“ in „Prague“ Halt. Für alle die mit dem Charakter hinter der Sturmmaske noch nicht bewandert sind: SL mag aussehen wie ein 0815-Driller, mit seinem kuriosen sanften Stimmvortrag und seinem Sinn für humorvolle Momente hebt er sich aber definitiv von der Konkurrenz ab. Auch auf „Prague“ spielt er wieder einmal seine Stärken aus. SL lehnt sich auf dem melodischen Trap-Instrumental zurück und rappt davon, wie er im „Onesie“ FIFA zockt. Das ganze klingt am Ende so awkward, wie es sich hier auch liest, trotzdem schafft es SL immer wieder, mich mit seinem zarten Gemurmel einzulullen. 

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