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Yung Saint Paul: Junger Spieler aus dem Süden

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Love it or hate it: Flexen gehört dieser Tage zum Rap-Game mindestens genauso wie damals Breakdance und Graffiti. Dabei schaffen es nur die wenigsten, ihre materialistische Prahlerei kreativ und sympathisch zu verpacken. Eine Gratwanderung, die Yung Saint Paul perfektioniert hat. Wir stellen euch den Rap-Newcomer aus Baden-Württemberg vor.

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Erster Erfolg im Fahrwasser von Rin & Co.

Yung Saint Paul ist Deutschraps Rudi Völler. Zumindest sagt er das selbst. Ob er sich damit jetzt auf sein Charisma bezieht, auf seine Fifa-Skills oder darauf, dass er schon jetzt über viele seiner Zeitgenoss:Innen hinauswächst, wissen wir nicht, aber wir wollen ihn mal beim Wort nehmen. Der Newcomer kommt aus Mosbach, einer badischen Kleinstadt zwischen Heidelberg und Heilbronn, der er bis heute treu geblieben ist. Hier fängt er in einem eng vernetzten Freundeskreis an zu Rappen und veröffentlicht 2018 seinen ersten Song „Kein buntes Papier“. Zugegeben, die dürftigen Sing-Sang-Flows mit Auto-Tune-Stimmkorrektur klingen heute etwas holprig, waren damals jedoch absolut zeitgemäß und sorgten dafür, dass Yung Saint Paul erfolgreich im Fahrwasser von Rin, Yung Hurn und Co. surfte. 

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Das erste große Feature

Bis zur nächsten Single dauert es zwei Jahre, dafür legt Yung Saint Paul 2020 richtig los. Mit den Singles „GQ“, „Schaumwein“, „Playbunnys“ und „S-Bahn“ versucht sich der aufstrebende Rapper auf verschiedenen Beats und findet zunehmend zu einem eigenen Stil. 2022 ist Paul bei einer laid-back Art zu Rappen und einer arroganten Attitude angekommmen – und längst bereit für sein erstes großes Feature. Mit dem Song „Hamilton“ huldigt er dem berühmten Rennfahrer und rekrutiert dafür Eno, der zu dieser Zeit gerade in aller Munde ist.

Neben Seitenhieben an die Konkurrenz und Flex über den eigenen Lifestyle, schmeißen beide hier auch mit jeder Menge misogynen Lines um sich. In einem Interview aus dieser Zeit sagt Yung Saint Paul darüber: „Sexistische Begriffe im Rap sind ein schwieriges Thema, weil es kommt vor und es kommt auch oft in einem uncoolen Zusammenhang vor. Man muss halt unterscheiden: Benutze ich das als Stilmittel oder weil man da, wo ich herkomme so redet? Es ist ja schon so, dass man den Slang repräsentiert, in dem man spricht“. Heute geht Paul Texte über seine amourösen Verhältnisse mit mehr Augenzwinkern und Selbstironie an – doch dazu gleich mehr. 

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F-F-F-F-Freestyler!

Schon im Sommer 2022 wittert Yung Saint Paul das Amapiano-Fieber – und droppt mit „Denkst du an mich“ einen Song, mit dem er sich den südafrikanischen Club-Sound erstaunlich glaubwürdig zu eigen macht. In einem Interview bei den Kolleg:innen von HipHop.de serviert er einen starken Freestyle und kommt dadurch auf die grandiose Idee, dieses Talent auf EP-Länge zur Schau zu stellen. Im Mai des letzten Jahres veröffentlicht er die „Freestyle EP“ mit Produktionen von DJ Testö und einem Gast-Part von Trim.

Die fünf Tracks kommen ohne Hook aus und trotzdem schafft es Yung Saint Paul, seinen Stil hier ausgereifter als je zuvor zu präsentieren. Mit einer zitierfähigen Zeile nach der anderen gleitet er über die Beats und protzt und prahlt, als wäre er der Shindy der Gen Z, trotzdem kommt man an vielen Stellen um ein Schmunzeln nicht herum: „Wo wir essen gehen, entscheide ich, weil ihr ist es egal / Sie läuft in Mailand nächste Woche, sie isst eh nur ein‘ Salat“. Service Hinweis: Wenn ihr jetzt verzweifelt überlegt, woher ihr das Sample von „Schengen Raum Freestyle“ kennt, habt ihr in letzter Zeit wohl viel Pashanim gehört.

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Pop-Rap mit Street Credibility

Dass Yung Saint Paul nicht nur Spitten kann, sondern durchaus ein gutes Gespür für Songwriting und Musik hat, zeigt wenig später sein Song „2 Drinks“, der auch von Cros „Raop“ stammen könnte, wäre der Panda-Rapper damals ein bisschen abgehobener und lyrisch fitter gewesen. Damit sind wir im Hier und Jetzt angekommen, denn auch 2024 scheint Yung Saint Paul große Ambitionen zu haben. Schon Anfang Januar hat er seine erste Single für ein Jahr veröffentlicht, das sein Jahr werden könnte: „Schneller als du denkst“ mit Badchieff.

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Mit dem neuen Song bewegt sich der Newcomer ein mal mehr in Richtung Pop, allerdings ohne dabei seine Street Credibility zu verspielen. Das Instrumental mischt sanfte Melodien mit dekonstruierten House-Beats, ein bisschen, wie wir es von Drakes Dance-Album „Honestly, Nevermind“ kennen. Passend dazu schlagen die beiden aufstrebenden Musiker nachdenkliche Töne an und reflektieren ihren wachsenden Erfolg: „Hundert K geht schneller, als du denkst / Schneller, als du denkst, steh‘ ich heut vor dir in ’nem SL / Das‘ ’ne Prada, um die Teller zu verstеcken“. Es geht nach vorne für Yung Saint Paul, scheinbar in rasantem Tempo, wenn man den Zeilen des neuen Songs Glauben schenken darf. Das ist nicht weiter verwunderlich: Die Kombi aus melodischem Rap mit guter Lyrik ist zwar begehrt, aber selten. Dazu dann noch sein frecher Rudi Völler-Swag und das Paket ist komplett: Wir glauben, dass Yung Saint Paul noch richtig groß werden könnte.