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„Miss You“: Hat Robin Schulz beim Berliner Newcomer Southstar geklaut?

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Einen Song zu covern oder ihn zu remixen ist eine Sache, doch ihn 1 zu 1 abzuschreiben, ist ein absolutes No Go! Doch genau das spielt sich augenscheinlich aktuell in der deutschen Musikbranche ab. Die beiden Beteiligten: Der Berliner Newcomer Southstar und DJ und Produzent Robin Schulz.

Wer ist Southstar?

Leon Kirschnek aka Southstar stammt aus Berlin-Kreuzberg und veröffentlicht erst seit knapp einem Jahr regelmäßig Musik. Während seine ersten beiden EPs vor allem nach obskurem Lo-Fi-House klangen, hat Southstar inzwischen das Tempo gehörig angezogen. Die Stücke seiner neuesten EP „Matrix“ sind treibende, verzerrte Dancefloor-Brechern – inklusive Remix zum Empire of the Sun-Hit „We Are The People“. 

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Seinen bisher größten Erfolg konnte Southstar kürzlich mit „Miss You“ verzeichnen, ein Song, für den er sich bei „Jerk“ von Oliver Tree bedient hat. Wo das Original noch nach einer Mischung aus Grunge und modernem Trap klingt, mach Southstar daraus eine High Tempo-Techno-Nummer, mit allem was dazu gehört: Schallende Becken, happy Piano-Chords und natürlich eine fette Bassline nach Trance-Vorbild. 

„Robin Schulz hat mein Song geklaut“

Aber nun das: Gestern veröffentlichte der deutsche DJ und Produzent Robin Schulz – laut der Credits auf Spotify gemeinsam mit Oliver Tree – seine neue Single „Miss You“, die nicht nur genau so wie der Song von Southstar heißt, sondern auch beinahe identisch klingt. Einzig die Drums und einzelne Beat-Elemente wurden ausgetauscht.

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„Robin Schulz hat mein Song ‚Miss You‘ den ich vor über 1 Monat gedroppt hat geklaut!“, schreibt Southstar gestern in seiner Instagram Story und zeigt sich bestürzt über die Ereignisse. Dass Robin Schulz ein Fan des Tracks ist, hat er in diesem Sommer gezeigt, als er „Miss You“ von Southstar in einigen seiner DJ Sets prominent platzierte. Hat Robin Schulz den Track nun aber einfach geklaut und selbst veröffentlicht?

Die Bubble reagiert

Zumindest die deutschsprachige Musikszene ist sich über die Antwort hier einig. Künstler:innen wie Verifiziert, Paula Hartmann oder Bausa zeigen sich auf Instagram solidarisch und teilen ihren Frust zu den Geschehnissen, um darauf aufmerksam zu machen, dass Southstars Urheberrechte hier offenbar verletzt wurden. Oder um es in den Worten von Ski Aggu zu sagen: „Berlin Verbot für Robin Schulz!“

Ob und inwiefern hier vielleicht auch missglückte Absprachen zwischen den beiden Labels von Robin Schulz und Southstar Schuld an einem Missverständnis sein können, ist natürlich unklar. Denn Labelpolitik kann manchmal sehr komplex sein. Es ist jedoch mehr als fragwürdig, wenn am Ende ein:e Künstler:in steht, der:die das Gefühl hat, sein:ihr Song wurde geklaut.

Außerdem ist durch das Sample von Oliver Tree eine dritte Partei involviert, was die Sache verkompliziert und rechtliche Schritte vermutlich erschwert. Stattdessen schlägt Southstar also mit seinen eigenen Waffen zurück, aktiviert seine Musik-Bubble und verbreitet die Kunde um den Skandal wie ein Guerrilla-Kämpfer. Nun bleibt abzuwarten, wie weit dieses Social-Media-Lauffeuer wandert und ob es weitere Konsequenzen geben wird. Robin Schulz äußerte sich übrigens bisher noch nicht zu den Vorwürfen. Auffällig außerdem: Bisher hat der Platin-DJ seinen neuen Song noch nicht nennenswert auf seinen Kanälen beworben.

Update, 8. August 2022 – Statement von Robin-Schulz-Manager

Am Sonntag hat sich Stefan Dabruck, Manager von Robin Schulz, zu den Anschuldigungen gegen seinen Künstler auf Instagram geäußert. Er schreibt: „Seit über 20 Jahren navigieren wir fair und mit großen Respekt vor allen Künstler:innen und deren kreative Arbeit. Manchmal überrascht mich die Kühnheit von anderen Artists Rechte und Werke bewusst zu missachten und daraus Kapital zu schlagen. Die Irritationen zu „Miss You“ waren erwünscht und von mir beschlossen, das habe ich über Robin’s Kopf hinweg entschieden.. Robin hat bis letzten Freitag auf einen gemeinsamen Remix gehofft.“ Weitere Informationen sollen demnächst folgen.